Reden-Ranking
Seit 1. Juli 2024| Rang | Name | Land | Fraktion | Reden | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
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Lukas Sieper | Deutschland DEU | Fraktionslose Mitglieder (NI) | 390 |
| 2 |
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Juan Fernando López Aguilar | Spanien ESP | Progressive Allianz der Sozialdemokraten (S&D) | 354 |
| 3 |
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Sebastian Tynkkynen | Finnland FIN | Europäische Konservative und Reformer (EKR) | 331 |
| 4 |
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João Oliveira | Portugal PRT | Die Linke im Europäischen Parlament (GUE/NGL) | 232 |
| 5 |
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Vytenis Povilas Andriukaitis | Litauen LTU | Progressive Allianz der Sozialdemokraten (S&D) | 227 |
Alle Beiträge (102)
Die Krise der Automobilindustrie der EU, mögliche Werksschließungen und die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Arbeitsplätze in Europa zu erhalten (Aussprache)
Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Diese unterlassene Standortpolitik der letzten Jahre fällt uns nun auf den Kopf. Es sind nicht erst die aktuellen Krisen, sondern es ist schon länger so, dass Staaten wie China oder die Vereinigten Staaten von Amerika an Europa vorbeiziehen, weil sie mehr investieren, weil sie mehr öffentliches Geld auch in ihren Wirtschaftsstandort investieren. Wenn wir da nicht bald schauen, dass was wieder zurückgedreht wird, geht uns an Wertschöpfung verloren, und das betrifft auch dann am Schluss unsere Arbeitsplätze und gefährdet unser wohlfahrtsstaatliches Modell. Wir brauchen Investitionen in Zukunftstechnologien, in die Infrastruktur, wo wir jahrelang zu wenig gemacht haben. Denken wir nur an die fehlenden Elektro‑Ladestationen, da haben wir eine große Investitionslücke auf europäischer Ebene. Wir brauchen einen Pakt für Wachstum, Innovation und Arbeitsplätze. Das heißt, eine Europe-First-Strategie muss verankert werden, sodass europäische Unternehmen auch einen Vorzug haben bei öffentlichen Ausschreibungen. Wir brauchen mehr Geld für den Wirtschaftsstandort, wir brauchen mehr Investitionen in die europäische Infrastruktur, viel, viel mehr. Dafür müssen wir kämpfen.
Die verheerenden Überschwemmungen in Mittel- und Osteuropa, der Verlust von Menschenleben und die Bereitschaft der EU, auf solche durch den Klimawandel verschlimmerten Katastrophen zu reagieren (Aussprache)
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Angesichts dieser verheerenden Bilder, die nicht nur in einzelnen Mitgliedstaaten, sondern in Gesamtzentraleuropa zu sehen waren, haben wir gesehen, wie wir auch in dieser Krise, in dieser Katastrophe als Europäische Union, als Bürger vereint sind. Am Beginn einer Rede zu diesem Thema gilt es, Danke zu sagen; Danke zu sagen allen Hilfskräften der Feuerwehren, des Militärs, der Freiwilligen, aber auch zum Beispiel der Bergrettung, die inzwischen ja aufgrund der Schneemassen auch Leute aus Lawinen befreien musste, und, und, und, auch der Zivilbevölkerung, die hier Großartiges geleistet hat. Das Zweite, was man aber auch sagen muss, ist: Wir müssen uns mehr auf diese Katastrophen vorbereiten, und wir müssen endlich anerkennen – alle hier im Haus, auch rechts außen –, dass den Klimawandel zu leugnen keinen Sinn hat, sondern es wichtig ist, sich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und ihn möglichst in seinen Auswirkungen zu bekämpfen. Das ist dringend notwendig. Wie wir auch gesehen haben, können renaturierte Flüsse mehr Wasser aufnehmen. Deswegen müssen wir den Weg des Green Deals auch ganz besonders und gemeinsam weitergehen.
Vertiefung der EU-Integration mit Blick auf eine künftige Erweiterung (Aussprache)
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Die Erweiterungspolitik ist eines unserer stärksten Instrumente, gerade in dieser instabilen globalen Situation. Aber nur dann, wenn wir sie ernst meinen. Das heißt, jedes Land nach seinen Fortschritten, nach den notwendigen Reformen, die getroffen werden. Aber das heißt auch, dass wir verhindern müssen, dass wir selbst unglaubwürdig werden und dann zum Beispiel die Erweiterung aus bilateralen Prozessen von einzelnen Mitgliedstaaten blockiert werden darf. Und gleichzeitig müssen wir auch sagen: Wenn Länder Rückschritte machen, dann muss es auch die Möglichkeit geben, gegebenenfalls beim Erweiterungsprozess einen Halt oder auch einen Rückschritt einzuziehen. Aber – und das ist, glaube ich, auch ein ganz wichtiger Punkt – der Erweiterungsprozess wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir uns innerhalb der Europäischen Union auch auf eine erweiterte Union vorbereiten und die Entscheidungsfindungen in Europa so aufstellen, dass sie auch mit 30 und mehr Mitgliedern möglich sind – das heißt mit einem starken Parlament und mit Mehrheitsentscheidungen und weniger Entscheidungen im Rat.
Die Bekämpfung von Hetze und Desinformation – Verantwortung der sozialen Plattformen im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Der Digital Services Act und der Digital Markets Act sind Meilensteine, globale Meilensteine im Kampf gegen Hassreden und Desinformation. Die Europäische Union geht hier voran und schafft das erste weltweite Regelwerk, um Onlineplattformen endlich in die Verantwortung zu nehmen. Mit diesen Vorschriften wird auch dieser rechtsfreie Raum, dieser Wilde Westen im digitalen Bereich endlich beendet, nach dem Prinzip: Was im echten Leben offline illegal ist, muss auch im digitalen Raum illegal sein. Plattformen werden verpflichtet, illegale Inhalte, Hassreden, Desinformation und Fake News zu bekämpfen und zu löschen. Aber jetzt, mit diesem Gesetz, müssen wir auch die Plattformen dazu bringen, dass sie dieses Gesetz nicht ignorieren, sondern auch handeln, dass sie die Vorschriften auch streng anwenden, und wenn nicht, auch unsere Gerichte diese Plattformen verurteilen und sie dazu zwingen, dass sie rechtskonform handeln. Denn die Realität zeigt: Fake News nehmen zu. Künstliche Intelligenz gibt noch eines drauf, und wir müssen schauen, dass hier endlich wieder Gesetzlichkeit und Recht herrschen.
Lage in Serbien nach der Wahl (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist heute genau einen Monat her, seit die Wahlen in Serbien stattgefunden haben. Und wie mein Vorredner und der Herr Kommissar schon gesagt haben, es gibt eine Liste von Unregelmäßigkeiten, die bei diesen serbischen Wahlen aufgetreten sind: Phantom-Wähler, Stimmenkauf, einseitige Medienberichterstattung und, und, und ist die Vorwurfsliste, die meiner Meinung nach lückenlos aufgeklärt werden muss. Transparenz braucht es hier. Und für die Transparenz, für die muss die Regierung sorgen. Aber die Premierministerin Brnabić und der Präsident Vučić machen das Gegenteil. Anstatt für Transparenz zu sorgen, kritisieren sie internationale Wahlbeobachter, wie auch meine Person, aufs Schärfste und aufs Ärgste. Das ist nicht nur zurückzuweisen, sondern es zeigt ganz deutlich, dass die Kritik, die geäußert worden ist, in den Berichten voll ins Schwarze trifft. Wir können so ein Vorgehen aber nicht hinnehmen als Europäische Union. Wir müssen dafür sorgen, dass Rechtsstaatlichkeit und alle transparenten Prozesse eingehalten werden, auch in Serbien.
Arbeitsplan
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, wie Sie alle wissen, gab es am 17. Dezember erneut vorgezogene Wahlen in Serbien, im Inland und auch in der Hauptstadt Belgrad und in anderen Gemeinden. Das wissen wir auch: Wir sind von Unregelmäßigkeiten geplagt, wie Phantomwählern, wie dem Druck auf die Wähler sowie der entschlossenen Beteiligung des Präsidenten und des systemischen Vorteils der Regierungspartei, die den Wahlprozess untergraben haben. Als internationale Wahlbeobachter wie das Europäische Parlament und ich dieses Thema ebenfalls ansprachen, griffen die Regierung Serbiens und der Präsident selbst diese internationalen Beobachter an. Daher freue ich mich, dass eine Mehrheit der Fraktionen und dieses Hauses jetzt den Plan hat und sich bereit erklärt hat, auf dieser Plenartagung eine Aussprache zu führen. Ich freue mich auch darauf, dass wir eine Entschließung haben werden, die wir auch als S&D-Fraktion unterstützen.
Ein Jahr nach Marokko- und Katargate – Bestandsaufnahme der Maßnahmen zur Stärkung von Transparenz und Rechenschaftspflicht in den Organen der EU (Aussprache)
Herr Präsident, Frau Kommissarin! Ein Jahr nach Katar— und vor allem auch Marokko—Gate muss man sagen: Erstens, das Europäische Parlament hat reagiert. Es gab den Sonderuntersuchungsausschuss, der sich auch mit Vorschlägen zur Überarbeitung der Geschäftsordnung beschäftigt hat. Wichtige Maßnahmen – auch zur Korruptionsbekämpfung – sind vorgelegt worden, und ein Teil davon ist auch umgesetzt worden. Alle Termine von EU-Abgeordneten müssen verpflichtend veröffentlicht werden, Vermögenswerte müssen veröffentlicht werden, Interessenskonflikte offengelegt werden. Das sind langjährige Forderungen, die endlich umgesetzt worden sind. Aber ist das genug? Nein, noch lange nicht. Alle Transparenz alleine wird auch das Problem nicht nachhaltig lösen. Wir brauchen klare und strenge Regeln, um das Marokko— und Katar—Gate in Zukunft zu verunmöglichen. Es darf zum Beispiel nicht weiter möglich sein und geduldet sein, dass manche Abgeordnete hier im Haus Mandatar und Lobbyist gleichzeitig sind. Es braucht eine Reform der Geschäftsordnung. Die, die wir gemacht haben, war ein erster Schritt, aber wir müssen weitergehen, und dafür braucht es auch Mehrheiten im Haus. Sehr oft – habe ich den Eindruck – werden die Mehrheiten für starke Reformen, für mehr Transparenz gerade von jenen verhindert, die dann oft viele Dinge anprangern. So kann es nicht weitergehen!
Strategie der EU zur Unterstützung junger Menschen angesichts der Wohnungskrise und der Lebenshaltungskostenkrise (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Kommissar! Immer mehr junge Menschen können sich keine eigene Wohnung leisten, egal ob zum Kauf oder zur Miete. COVID-Krise, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, schlechte Bezahlung haben das Problem, das schon davor bestand, noch einmal ordentlich verstärkt. Und während sich die Menschen die Miete nicht leisten können, die Kreditraten für ihren Immobilienkredit nicht leisten können, werden auf der anderen Seite die Immobilienkonzerne und die Banken trotzdem immer reicher. Und daher stellt sich ganz aktuell in ganz Europa die Frage: Was können wir tun? Und das heißt: Wohnen ist ein Grundrecht, und die Politik muss endlich handeln. Das heißt: Mietpreisbremse gegen die extrem hohen Mietsteigerungen, die zurzeit stattfinden, mehr Mittel der nationalen Regierungen, ein besserer Zugang zu EU-Mitteln für Wohnbau, ein starkes, sicheres Mietrecht und sozialer Wohnbau, sozial, qualitätvoll und leistbarer sozialer Wohnraum. Und ich möchte auch das Beispiel Wien an dieser Stelle einbringen und gratulieren, dass gerade jetzt auch wieder Wien als lebenswerte Stadt gewählt worden ist, nämlich deshalb, weil es sozial fair ist und weil es gute Wohnmöglichkeiten mit einem hohen Anteil am sozialen Wohnbau für die Menschen in dieser Stadt bietet.
Umsetzung des Abkommens über Handel und Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich (A9-0331/2023 - Seán Kelly, Andreas Schieder) (Abstimmung)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist endlich auch wieder Ruhe in das Brexit-Thema eingekehrt und nach dem auch zu einer Annäherung gekommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich. Es ist aber trotzdem auch wichtig, dass wir weiter schauen, dass Umweltstandards, Sozialstandards, Arbeitnehmerrechte und Wettbewerbsvorteile weiterhin behandelt werden und auch unser Augenmerk verdienen. Und angesichts der globalen Krisenherde ist es auch notwendig, dass wir diese gute Kooperation, die es gibt, auch in ein institutionelles Rahmenabkommen gießen. Ich bitte Sie um Zustimmung zu diesem Bericht.
Was Europa ausmacht – Aussprache mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Nikolaj Denkow (Aussprache)
Frau Präsidentin, Ministerpräsidentin, ich bin eine überzeugte europäische Sozialdemokratin und komme aus Österreich, und ich muss sagen, ich denke, europäische Lösungen und Zusammenarbeit sind besser als Veto. Daher muss ich klar sagen, dass ich das österreichische Veto gegen die Schengen-Mitgliedschaft Bulgariens und Rumäniens nicht verstehe. Ich denke, es ist ein großer Fehler europäisch, aber auch österreichisch. Zweitens, Ministerpräsident, als Europäer muss ich auch sagen, dass ich sehr viel an der Erweiterung arbeite und mich sehr in den Westbalkan einbringe, und deshalb denke ich auch, dass Nordmazedonien die Unterstützung Bulgariens braucht, um in die Europäische Union einzutreten. Sie haben große Reformen durchgeführt und sie wären dein bester Freund. Helfen Sie also bitte auch Nordmazedonien, bald Mitglied der Europäischen Union zu werden.
Stärkung des Rechts auf Teilhabe: Legitimität und Resilienz von Wahlprozessen in illiberalen politischen Systemen und autoritären Regimen (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, es ist ein ganz, ganz wichtiger Bericht, und ich möchte mich beim Berichterstatter auch genau für diese Arbeit herzlich bedanken. Denn wir beobachten immer öfter, wie ausländischer Einfluss auf Wahlen ist, aber auch leider, wie in autoritär regierten Ländern immer mehr Wahlfälschungen, Beeinflussungen in negativer Art stattfinden. Desinformation, Fake News, Einschüchterungsversuche und Diskriminierung machen das, was wir unter fairen, freien und geheimen Wahlen verstehen, immer öfter unmöglich. Sehr oft beobachten wir auch geopolitische Einmischung von einigen Mächten – sei es Russland, sei es die Türkei, seien es andere –, die hier besonders versuchen, durch die Dynamik der Social-Media-Plattformen besonders auch noch Einfluss zu nehmen. Und daher sind nicht nur Medienfreiheit, transparente Information, Bildung essenziell, sondern auch Wahlbeobachtungsmissionen und globale Zusammenarbeit, um positive Veränderungen zu bewirken. Die Hereinnahme von freien Wahlen in unsere Beziehungen und Entwicklungshilfebeziehungen mit einzelnen Ländern ist hier besonders wichtig. Aber gerade die Wahlbeobachtungsmissionen, die die Europäische Union und das Europäische Parlament machen, sind hier entscheidend. Denn es sind keine leichtfertigen Aufgaben, es sind sehr detaillierte Arbeiten. Und die sind nicht nur wichtig für die Qualität der Wahlen und der Demokratie, sie sind sehr oft auch ein wichtiges Signal für die Menschen vor Ort, wenn sie bei den Wahllokalen anstehen, dass sie auch internationale europäische Wahlbeobachter sehen – das ist für viele Menschen auch ein Qualitätsmerkmal.
Erweiterungspolitik der EU 2023 (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Entscheidungen von heute sind wahrlich weitreichende und sehr gute. Gerade beim Westbalkan, muss man sagen, ist es eigentlich höchste Zeit, dass Albanien und Nordmazedonien jetzt auch in die Lage kommen, den Beitritt ernsthafter zu verhandeln – viel zu viele Jahre haben sie warten müssen. Und auch bei Bosnien heiße ich die Fortschritte willkommen. Und was die Ukraine, Georgien, Moldawien betrifft, so ist es ein ganz, ganz wichtiges – auch weltpolitisches – Zeichen. Aber, wir müssen auch dazu sagen: Es gibt keine Abkürzung auf dem Weg in die Europäische Union. Es sind Kriterien zu erfüllen, und es sind harte Reformen durchzuführen gegen Korruption, Oligarchenherrschaft und, und, und. Generell ein langer, schwieriger Weg. Und meiner Meinung nach muss man die Schwierigkeiten auch am Anfang ansprechen, damit die Euphorie am Ende nicht in einer großen Enttäuschung endet, sondern am Anfang die Probleme ansprechen, um sie auch zu lösen. Das ist das Wichtige beim Erweiterungsprozess.
Vorbereitung der Tagung des Europäischen Rates vom 26./27. Oktober 2023 (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Je schwieriger die Zeiten, desto wichtiger ist interne Geschlossenheit. Aber seit gestern geht auch ein Bild um die Welt, nämlich jenes, das den ungarischen Premierminister Viktor Orbán in Peking in einem Tête-à-Tête händeschüttelnd mit dem russischen Präsidenten Putin zeigt. Und es ist wohl mehr als ein Foto – es ist ein klares, ein negatives Signal an Europa. Orbán verachtet unsere Demokratie, verachtet unsere offene und liberale Gesellschaft. Der Krieg und die Zerstörung, mit denen Putin die ukrainische Bevölkerung seit eineinhalb Jahren überzieht, das menschliche Leid und die vielen Opfer – sie kümmern Orbán nicht. Und wenn die Staats- und Regierungschefs am 26. Oktober zum Gipfel zusammenkommen, dann ist spätestens seit gestern klar: Solange Orbán mit am Tisch sitzt, sitzt auch Putin – der Schlächter von Butscha – mit im Raum des europäischen Gipfels. Deshalb müssen wir zwei Ableitungen treffen. Nämlich erstens: Es muss ein Verfahren zur Aussetzung der ungarischen Ratspräsidentschaft geben, genauso wie die konsequente Fortsetzung des Rechtsstaatsverfahrens gegen Ungarn. Und zweitens: Wir müssen weg von der Einstimmigkeit in der Außenpolitik. Wir dürfen nicht länger von den Erpressungsversuchen durch Orbán abhängig sein.
Arbeitsprogramm der Kommission für 2024 (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Kommission! Zum Abschluss vielleicht noch ein paar wichtige Themen in der Nachbarschafts-, Erweiterungs— und Außenpolitik, denn ich erwarte mir schon, dass wir mit unserer aktiven Führungsrolle, die wir als Europäische Union gerade bei der Förderung und Vorbereitung des Beitritts von Kandidatenländern einnehmen und die besonders für die Erweiterungspolitik wichtig ist, noch einen Zahn zulegen, auch wenn sich die Kommissionsperiode jetzt dem Ende zuneigt. Denn gerade der Gipfel der letzten Tage hat gezeigt, wie zentral dieses Thema ist und wie zentral es auch für Europa ist, dass europäische Werte – sowohl was Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung betrifft, aber auch für die Heranführung dieser gesamten Region wie des Westbalkans an die Europäische Union – ganz, ganz wichtig sind. Der zweite Punkt, der immer wieder fehlt – und das will ich mir noch wünschen zum Abschluss im Zusammenhang mit diesem unsäglichen russischen Krieg –, ist, dass man eingefrorene russische Besitztümer endlich auch heranzieht für die Finanzierung des Wiederaufbaus der Kriegsfolgen in der Ukraine. Als letzter Punkt, dass auch alles in der Macht Stehende getan wird, um die Verhandlungen über die Regelungen zur Sorgfaltspflicht und zum Verbot von Zwangsarbeit weltweit so schnell wie möglich abzuschließen.
Angemessener Wohnraum für alle (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wohnen, ein Dach über dem Kopf ist ein Grundrecht, und daher ist es eine der zentralen und wichtigsten politischen Herausforderungen, die wir derzeit haben, nämlich sicherzustellen, dass es leistbaren Wohnraum gibt. Viele Länder, Städte und Gemeinden kämpfen aber mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Die Mieten steigen dramatisch an, und gerade in Zeiten der hohen Inflation wissen viele Menschen, viele Familien nicht mehr, wie sie ihre Mietkosten und Wohnkosten noch bezahlen sollen. Obdachlosigkeit steigt, Armut steigt und daher besteht ein ganz großer akuter Handlungsbedarf. Wir brauchen öffentliche Investitionen in sozialen Wohnbau − besonders eben in den sozialen und geförderten Wohnbau. Meine Heimatstadt Wien, die heute auch schon oft als gutes Beispiel genannt wird − und der Wiener Bürgermeister, ein guter Freund von mir, wird sich auch freuen, dass die Leistungen der Wiener Stadt hier auch so positiv gesehen werden – meine Heimatstadt Wien, das „rote Wien“ genannt, hat hier eine Vorreiterrolle: 45 % des Wiener Wohnmarkts entfallen auf den geförderten Wohnbau. 60 % der Wienerinnen und Wiener leben in geförderten, in sozialen Wohnungen. Jede vierte Wienerin und jeder vierte Wiener wohnt in einer der 1 800 Wohnungen, die der Stadt selbst gehören. Daher braucht es genau das: Investitionen in den Wohnbau, Investitionen in die Sanierung, in die thermische Sanierung von Wohnungen und ein Verbot von Leerstand, vor allem jenem Leerstand, der zur Spekulation benutzt wird, generell ein Verbot von Spekulation mit Immobilien und so dringend notwendigem Wohnraum.
Beziehungen EU-Schweiz (Aussprache)
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Mein Dank gilt auch dem Berichterstatter und meinem Kollegen aus Österreich, Lukas Mandl, und auch dem Vizepräsidenten Maroš Šefčovič, der immer auch sehr unterstützend, auch sachlich, sehr intensiv und offen mit dem Europäischen Parlament zusammenarbeitet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Schweiz liegt in der Mitte Europas und es sind nicht nur die Liebe zu den Bergen, der Skisport oder die Schokolade, die uns verbinden, sondern es sind auch eineinhalb Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürger, die in der Schweiz leben und dort arbeiten. Daher freut es mich auch, dass zwischen der Schweiz und der Europäischen Union wieder ein Klima herrscht, wo man an den Verhandlungstisch für die Erneuerung von Verträgen zurückgekehrt ist. Mir persönlich sind da zwei Punkte ganz besonders wichtig. Das eine ist: Dieses Personenfreizügigkeitsabkommen mit all seinen Verpflichtungen muss von der Schweiz ausnahmslos umgesetzt werden. Andererseits: Die sogenannten Flankierungsmaßnahmen müssen auch den Schutz der hohen Sozialstandards sowie auch den effizienten und diskriminierungsfreien Schutz der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewährleisten, und das auch uns in Europa so wichtige Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ für mobile Entsandte und örtliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist anzuwenden und umzusetzen. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, den Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping ganz oben auf die Prioritätenliste zu stellen und eine bessere und engere Zusammenarbeit im Kampf gegen Steuerbetrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu gewährleisten. Nutzen wir das Momentum und verhandeln wir ein ausgewogenes und umfassendes Abkommen mit der Schweiz.
Jüngste Entwicklungen im Dialog zwischen Serbien und dem Kosovo sowie die Lage in den Gemeinden im Norden des Kosovo (Aussprache)
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Lage im Grenzgebiet zwischen Serbien und Kosovo ist mehr als brandgefährlich. Ja, es haben alle recht, die sagen, die Repräsentantinnen und Repräsentanten auf beiden Seiten müssen zur Deeskalation beitragen – natürlich. Es ist auch die verdammte Pflicht jedes Politikers vor Ort, endlich für Stabilität und eine Europa-Perspektive für die eigene Bevölkerung zu sorgen. Was wir aber zurzeit erleben, ist, dass Vučić immer mehr Öl ins Feuer gießt. Daher muss auch die Europäische Union endlich diese Naivität ablegen, und es braucht starke EU-Reaktionen, sonst droht uns ein Flächenbrand am ganzen Balkan. Es muss Schluss sein mit Nationalismus, mit antidemokratischem und antieuropäischem Kurs, der zurzeit in Serbien von der Regierung gelebt wird. Leider nicht nur in Serbien, aber auch da. Wer das nicht versteht, der muss auch mit Konsequenzen rechnen, nämlich Konsequenzen heißen das Einfrieren von EU-Fördermitteln und letztlich auch die Konsequenz, wenn man nicht zu einem europäischen Menschenrechtsverständnis, einem antinationalistischen Kurs zurückkehrt, des Endes und des Abbruchs der EU-Beitrittsverhandlungen für ein Serbien unter Vučić.
Empfehlungen für die Reform der Vorschriften des Europäischen Parlaments zu Transparenz, Integrität, Rechenschaftspflicht und Korruptionsbekämpfung (Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin! Katargate und Marokkogate haben gezeigt, dass das Europäische Parlament nicht immun ist gegen ausländische Beeinflussung. Sie haben auch gezeigt, dass gegen Abgeordnete, die sich eventuell korrumpieren lassen wollen oder haben korrumpieren lassen, eines hilft, nämlich mehr und strengere Transparenz. Gerade wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten hier im Haus haben von Beginn an darauf gedrängt, dass ehrgeizige Reformen unternommen werden müssen, um zukünftige Korruption zu unterbinden. Und nun, ein gutes halbes Jahr später, gibt es auch ein ambitioniertes Maßnahmenpaket, einen Maßnahmenkatalog, den wir hier als Ausschuss auch vorlegen können. Es braucht aber auch mehr strenge Ethikregeln und auch gegebenenfalls Sanktionen für so ein Ethikgremium im Europäischen Parlament, aber auch in der Kommission und im Rat. Wir dürfen nicht vergessen, dass alle europäischen Institutionen hier an einem Strang ziehen müssen. Und auch das sogenannte Paket zur Verteidigung der Demokratie ist überfällig, und wir hoffen, dass es möglichst bald kommt. Es wäre ganz, ganz dringend notwendig. Aber was ist nun in diesem Maßnahmenkatalog, den wir hier heute auch vorlegen und morgen beschließen? Die Veröffentlichung aller Meetings, einen legislativen Fußabdruck, die Registrierung im Transparenzregister, neue Auflagen für Abgeordnete wie z. B. die Vermögensoffenlegung vor Mandatsbeginn und nach Mandatsende, Details auch über Nebenjobs, die auch darlegen müssen, was von wem wann und in welcher Zeit überhaupt erledigt werden soll, und „Cooling-off“-Regelungen. Aber ich kann auch sagen: Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen da auch ein bisschen mehr. Wir wollen mehr. Nämlich wir finden, eine „Cooling-off“-Periode von sechs Monaten ist zu kurz, sie sollte bis zu 24 Monate dauern, damit wir hier auch in Zukunft Korruption stärker verhindern können. Genauso, wie wir auch finden: Ein Verbot von Nebenbeschäftigungen für jene Firmen, die im Transparenzregister verzeichnet sind, ist dringend notwendig. Man kann nicht Abgeordnete oder Abgeordneter und Lobbyist oder Lobbyistin gleichzeitig sein. Man muss sich entscheiden, auf welcher Seite man steht. Und ich stelle mir auch die Frage, wer von den Abgeordneten hier überhaupt die Zeit hat, neben ernsthafter Abgeordnetentätigkeit überhaupt für andere Lobbying-Tätigkeiten aufzunehmen. Das möchte ich auch noch sagen. Ich möchte mich am Ende dieser Arbeit aber auch bedanken, nämlich beim Vorsitzenden Raphaël Glucksmann, bei den Berichterstattern Loiseau und Bilčík, aber auch noch einmal betonen, wie sehr es dringend notwendig ist für unsere Demokratie, für ein starkes Europäisches Parlament, auch in Zukunft diese Themen, die der INGE-Ausschuss behandelt hat, in der einen oder anderen Form institutionell im Europäischen Parlament auch in Zukunft zu bearbeiten.
Schlussfolgerungen der Tagung des Europäischen Rates vom 29./30. Juni 2023, insbesondere im Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen im Krieg gegen die Ukraine und in Russland (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident! Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stehen auch unzählige Kriegsverbrechen auf der traurigen Tagesordnung: Angriff auf die Zivilbevölkerung mit Beschuss- und Explosivwaffen und Raketen, zum Beispiel in Kramatorsk – wahllos und unverhältnismäßig; im April 2022 das Massaker von Butscha: 419 Leichen von erschossenen, verstümmelten und zu Tode geknüppelten Menschen wurden gefunden; die Belagerung von Mariupol mit gezielten Bombardierungen, zum Beispiel von Spitälern; Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen, auch als kriegerische Maßnahme zur Einschüchterung der Bevölkerung; zivile Schutzschilde, wo auch Kinder als zivile Schutzschilde hergenommen werden; oder auch der Einsatz von verbotenen Waffen, Streumunition, Phosphorbomben, Sprengfallen, Anti-Personen-Minen, gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur, Plünderungen, Zwangsrekrutierungen in den sogenannten Volksrepubliken und 16 000 verschleppte Kinder. All das muss uns mahnen.
Bericht 2022 über Albanien (Aussprache)
Frau Präsidentin! Albanien steht besser da, als es noch vor einigen Jahren dagestanden ist. Und da muss man gar nicht das Albanien von heute vergleichen mit dem Albanien, das ich vorgefunden habe, als ich in den 90er-Jahren das erste Mal auch dort gewesen bin. Im letzten Jahrzehnt sind irrsinnig viele Reformen in dem Land passiert, umgesetzt worden, angestoßen worden – die Bürokratiereform, die Rechtsstaatsreform, die Justizreform, der Kampf gegen Korruption, aber auch im Kleinen, wie z. B. in der Stadt Tirana, die einfach stadtentwicklungsmäßig eine Stadt ist, die durch ganz konkrete Maßnahmen sehr viel auch an Lebensqualität gewonnen hat. Wenn man das so sagt, dann stellt sich natürlich die Frage: Ist alles im Guten? Nein. In Albanien müssen noch viele weitere Reformen kommen. Die ökologische Frage, die Klimafrage, die Nachhaltigkeitsfrage sind auch große Themen, genauso wie auch Arbeitsrecht und Gewerkschaften. Aber eins muss man sagen: Es zeigt sich, dass die Zusammenarbeit mit Albanien gerade im Zusammenhang mit der Erweiterung dort wichtige Reformen professionell und gut voranbringt.
Bericht 2022 über Bosnien und Herzegowina (Aussprache)
Frau Präsidentin, Herr Kommissar! Wir gedenken heute, gerade am 11. Juli, Srebrenicas, der Opfer, der Familien. Und wir gedenken auch des größten Kriegsverbrechens auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wo steht Bosnien und Herzegowina heute? Es gibt positive Signale, wie z. B. die letzten Wahlen, wo auch die Bürgerinnen und Bürger von Bosnien und Herzegowina mit ihrer Wählerstimme eine Absage an Nationalisten und eine nationalistische Politik erteilt haben. Es gibt den Kandidatenstatus für den Beitritt zur Europäischen Union. Es gibt aber auf der anderen Seite die Krise, die sich auch immer mehr vertieft, und einer daran trägt Schuld, nämlich Milorad Dodik und seine Hass säende Rhetorik und Politik. Ich frage mich oft: Wie reagiert die Europäische Kommission darauf? Da bin ich sehr unzufrieden, denn sie schweigt sehr oft. Wir brauchen aber eine starke Europäische Kommission, einen Kommissar, der dort hingeht und sagt: Wir brauchen ein Bosnien, wo wir die Demokratie unterstützen, wo wir Sanktionen für Dodik fordern und mit allen Kräften für eine Zukunft dieses Landes kämpfen. Das fehlt mir bis jetzt bei der Kommission, es tut mir leid, Herr Kommissar.
Paket „Ökologisierung des Verkehrs“ (Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt viele gute Punkte in diesem Paket, aber auch einige Kritikpunkte. Einer ist: Wieder einmal plant die Kommission Riesen-Lkw, sogenannte Gigaliner, zuzulassen. Geht es nach den Vorschlägen, die wir heute gehört haben, werden auf Europas Straßen nun auch grenzüberschreitend Monstertrucks rollen. Ich halte das, ehrlich gesagt, für einen verkehrspolitischen Irrweg. Warum? Weil es eine Verkehrsverlagerung in die falsche Richtung ist, nämlich von der Schiene wieder zurück auf die Straße. Und das wollen wir nicht. Zusätzlich gibt es noch enorme Kosten für die Umrüstung, z. B. der Infrastruktur. Dieses ganze Geld, das man da investieren muss, wäre wohl besser in den Ausbau der Schiene und der Eisenbahn und den Umstieg von der Straße auf die Schiene investiert. Denn dann erreichen wir die Klimaziele besser, setzen den Grünen Deal besser um, bringen mehr Sicherheit auf unsere Straßen und auch mehr faire Arbeitsbedingungen für die Lkw-Fahrer. Daher ein ganz klares Nein zu den Gigalinern, ein Nein zu Riesen-Lkws auf unseren Straßen.
Einrichtung eines Ethikgremiums der EU (Aussprache)
Frau Präsidentin, sehr geehrte Frau Kommissarin! Lange haben wir gewartet auf den Vorschlag von diesem Ethikgremium. Jetzt liegt er vor − und wir sind enttäuscht. Denn eigentlich hätten wir gehofft, dass wesentlich mehr kommt, dass es nicht hinter den gemachten Versprechungen zurückbleibt, dass die Kompetenzen genauso wie die personelle Ausstattung dieses Ethikgremiums dem Genüge tut, was wir so dringend brauchen − nicht nur hier im Europäischen Parlament, sondern in allen europäischen Institutionen. Wir brauchen ein Ethikgremium, das auch ermitteln kann, das auch Sanktionsrechte hat, das Akten einsehen kann, das Schriftverläufe auch einsehen kann, das auf Eigeninitiative Untersuchungen starten kann und die relevanten Dokumente einsehen kann und auch Vorschläge machen kann, wie man das sanktioniert. Nicht erst mit Qatargate alleine, auch mit den Vorfällen in der Kommission ist klar: Wir brauchen hier strengere und effektivere Regeln. Ja, wir müssen auch im Europäischen Parlament unsere Hausaufgaben machen, und beim nächsten Plenum hier im Juli werden auch die Vorschläge vom INGE-Sonderausschuss vorgelegt. Das Offenlegen von Vermögenswerten brauchen wir − sowohl von Abgeordneten als auch von hohen Beamten und Kommissionsmitgliedern, eine Karenzzeit – und zwar eine wirkliche Karenzzeit, die länger ist als das, was bis jetzt vorgeschlagen ist – und auch klare Regeln und Transparenz bis hin auch zu Einschränkungen von Nebeneinkünften. Sehr geehrte Frau Kommissarin, ich hoffe, dass dieses Ethikgremium nicht nur ein frommer Wunsch ist, sondern auch noch mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet werden kann.
Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der Europäischen Union, einschließlich Desinformation - Integrität der Wahlen und Aufbau von Widerstandsfähigkeit im Vorfeld der Europawahl 2024 (Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Unsere Demokratie ist verwundbar. Und das europäische offene Gesellschaftsmodell ist bedroht – feindliche Einflussnahmen aus dem Ausland, Desinformationskampagnen, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und, und, und. Diese Bedrohungen nehmen zu und werden bis zur Europawahl im Juni 2024 noch viel, viel stärker werden. Und dagegen müssen wir uns schützen. Der vorliegende Bericht will einerseits wachrütteln – endlich klarmachen: Wir müssen hier etwas tun! –, aber auch die Resilienz unserer offenen, lebendigen Demokratie mit einer Fülle von Maßnahmen stärken. Im Bericht findet sich eine lange Liste von vielfältigen Ansätzen: das Verbot von ausländischen Parteispenden, die gemeinsamen europäischen Regeln für politische Kampagnen, Wahlkämpfe und Parteienfinanzierung, die wir so dringend brauchen, Elite Capturing durch staatsnahe Unternehmen von Drittstaaten wie Russland, China, dem arabischen Raum, mehr Transparenz und Verantwortung aber auch von Internetplattformen – mehr Argumente, weniger Fake News ist hier das Grundprinzip. Wir müssen aber auch unsere Kapazitäten hier im Europäischen Parlament stärken und rasch die Arbeit am Paket zur Verteidigung der Demokratie mit der Europäischen Kommission beginnen und die Umsetzung ganz, ganz rasch machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zeit der Naivität ist vorbei. Und das heißt auch hier im Haus, im Europäischen Parlament die richtigen Schlüsse zu ziehen aus Katar- und Marokko-Gate und mehr Transparenz, strengere Regeln und weniger Lobbyismus im Halbschatten, im Verborgenen hier im Haus zuzulassen. Ich möchte zum Abschluss aber auch der Berichterstatterin Sandra Kalniete, den Schattenberichterstattern aus den verschiedenen Fraktionen und auch dem Vorsitzenden Raphaël Glucksmann für die gute Zusammenarbeit im Dienste unserer offenen, lebendigen Demokratie danken.
Bericht 2022 über das Kosovo (Aussprache)
Frau Präsidentin, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen und Kollegen! Endlich geht etwas weiter bezüglich Kosovo in der Integration und Heranführung an die Europäische Union. Viel zu lange ist nichts weitergegangen. Jetzt endlich kommt die Visaliberalisierung – ein großer Erfolg. Die ersten Schritte zur Aufnahme auch in den Europarat sind endlich getätigt, was auch ganz, ganz dringend notwendig ist. Die Regierung Kurti, die doch die längste Phase der politischen Stabilität in Kosovo ausmacht, hat viele Reformen begonnen und viele Reformen umgesetzt. Was noch fehlt, ist, dass im Dialog zwischen Belgrad und Pristina mehr weitergeht und dass das, was weitergeht, am Schluss auch von beiden Seiten unterschrieben und vertreten wird. Noch immer ist es so, dass immer wieder auch Sand ins Getriebe geworfen wird. Denken wir nur an den Aufruf zum Wahlboykott von Vučić bei den Kommunalwahlen in Nordkosovo. Aber nichtsdestotrotz, wir müssen daran weiterarbeiten. Auch die Europäische Union muss mehr machen in diesem Zusammenhang und mehr zusammenführen. Denn wir brauchen einen stabilen Balkan, und da gehört der Kosovo in Europa dazu.