8
Feb
2024
Ansehen
Multilaterale Verhandlungen mit Blick auf die 13. WTO-Ministerkonferenz vom 26. bis 29. Februar 2024 in Abu Dhabi (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kollegen! Die klaren Bekenntnisse aus den Reihen des Europäischen Parlaments für eine zukunftsfitte WTO sind sehr wichtige Signale, denn in einer Zeit, in der Autokratien Demokratien angreifen – mit Waffen, mit Desinformation oder mit wirtschaftlichen Abhängigkeiten –, ist multilaterale Zusammenarbeit wichtiger denn je. Und doch hat Multilateralismus es schwerer denn je. Die Welthandelsorganisation, sie war doch immer das Herzstück unserer weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Aber wir erleben großen geopolitischen Druck, gepaart mit Protektionismus und Handelskriegen, und die Lösung dafür müssten wir doch in der WTO erarbeiten. Aber das System selbst ist in die Jahre gekommen. Wenn China weiterhin den Status eines Entwicklungslandes beansprucht, wenn die USA weiterhin die Streitschlichtung lahmlegen, weil sie keine Richter benennen, dann ist wirklich offensichtlich: Die WTO funktioniert nicht mehr. Aber unsere europäische Antwort darf doch kein Alleingang oder Protektionismus sein. Unsere Antwort muss immer sein, weiter für eine Reform zu kämpfen. Und die letzte Ministerkonferenz hat uns doch Hoffnung gemacht. Es besteht die Chance, jetzt ein Paket auf den Weg zu bringen, ein Paket für eine echte Reform der WTO, die eine Lösung bringt, um Handelskonflikte wieder beizulegen. Wir brauchen mehr Flexibilität für plurilaterale Abkommen und vor allen Dingen endlich eine dauerhafte Lösung für moderne E-Commerce-Regeln, denn digitaler Handel macht bereits heute 25 % allen Handels aus. Die WTO muss im 21. Jahrhundert ankommen, und ich erwarte von der Kommission, dass sie aus vollem Herzen mit allem Einsatz für die Zukunft des multilateralen Handels kämpft.