5
Mai
2022
Ansehen
Bau einer Mauer entlang der polnisch-belarussischen Grenze im Białowieża-Urwald (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Nicht zum ersten Mal ist Białowieża hier Thema. Wir wissen, dass die Kommission durchaus in der Lage ist, entschlossen zu handeln, so wie sie es schon mal getan hat, als illegale Rodungen in diesem streng geschützten Weltnaturerbe stattfanden. Jetzt geht es nur um eine Mauer. Aber diese Mauer ist 5 Meter hoch und fast 200 Kilometer lang. Für den Bau werden Bäume gefällt, Straßen verbreitert. Es gibt mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Brandgefahr. Und Wisente, Elche, Koniks, Luchse – sie alle werden diese Mauer nicht überwinden können. Die Populationen in Polen und Belarus werden so genetisch isoliert. Das ist ein eklatanter Bruch der Habitat-Richtlinie, den die Generaldirektion Umwelt so nicht hinnehmen darf. Die polnische Regierung stellt jetzt die absurde Behauptung auf, die öffentliche Sicherheit sei durch einige hundert verzweifelte Menschen gefährdet, die auf der Suche nach genau dieser Sicherheit für sich und ihre Kinder im Niemandsland zwischen Polen und Belarus gestrandet sind. Ist es nicht vielmehr so, dass diese Menschen nach Ansicht der polnischen Regierung die falsche Hautfarbe haben oder die falsche Religion? Denn zu welch grandioser Hilfeleistung die Polinnen und Polen bereit sind, erleben wir ja gerade an der ukrainischen Grenze. Ich danke deshalb der Europäischen Kommission dafür, dass sie endlich für die Rettung eines unserer letzten Urwälder eintritt, und fordere sie auf, notfalls wieder vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen.