Reden-Ranking
Seit 1. Juli 2024| Rang | Name | Land | Fraktion | Reden | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
|
Lukas Sieper | Deutschland DEU | Fraktionslose Mitglieder (NI) | 390 |
| 2 |
|
Juan Fernando López Aguilar | Spanien ESP | Progressive Allianz der Sozialdemokraten (S&D) | 354 |
| 3 |
|
Sebastian Tynkkynen | Finnland FIN | Europäische Konservative und Reformer (EKR) | 331 |
| 4 |
|
João Oliveira | Portugal PRT | Die Linke im Europäischen Parlament (GUE/NGL) | 232 |
| 5 |
|
Vytenis Povilas Andriukaitis | Litauen LTU | Progressive Allianz der Sozialdemokraten (S&D) | 227 |
Alle Beiträge (95)
Abstimmungsstunde
Frau Präsidentin, um uns daran zu erinnern, in den Ausschüssen gibt es oft Kompromisse, über die zuerst abgestimmt wird. Ich erinnere mich nicht daran, dass die Kollegen, die heute protestiert haben, protestieren, wenn sie Teil des Kompromisses sind. Wenn es also einen Kompromiss gibt, kann zuerst darüber abgestimmt werden – und das sollten wir tun. Ich bin allen sehr dankbar, die so hart gearbeitet haben, um uns zu einer Position zu bringen, in der wir jetzt Kompromisse eingegangen sind. Was vor uns liegt, ist das größte Klimagesetz, das wir je hatten. Wenn wir uns darauf einigen, werden wir in den nächsten acht Jahren mehr CO2 einsparen als seit 1990 – und wir sind wirklich führend. Dazu müssen wir aber auch auf Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze achten. Deshalb sind einige der ausgehandelten Änderungsanträge auch wichtig, um der Branche die notwendige Zeit für Anpassungen zu geben. Was wir tun – und ich gehe hier auf den Redner ein, der um eine Verschiebung gebeten hat – ist, dass wir der Industrie und den Bürgern in dieser schwierigen Zeit mehr Raum zum Atmen geben. Wir geben bis 2026 weniger Ehrgeiz, aber dann holen wir auf. Eines sollte klar sein, es ist jetzt eine schwierige Zeit, und wir müssen mehr Kohle verwenden, um russisches Gas zu ersetzen. Aber die Zukunft liegt in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und saubere Technologien, und deshalb tun wir das Richtige, um der Krise Rechnung zu tragen, aber auch, um unseren Planeten und die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder zu schützen.
Überarbeitung des Emissionshandelssystems der EU (A9-0162/2022 - Peter Liese) (Abstimmung)
Frau Präsidentin, natürlich ist es ein schlechter Tag für das Europäische Parlament, wenn Sie das sehen. (Gemischte Reaktionen) Bitte beruhigen Sie die Kollegen. Ich finde es schade, wie bei vielen Gelegenheiten in diesem Bericht, dass die extreme Rechte und die Sozialisten und die Grünen gemeinsam abgestimmt haben. Wir geben dem Europäischen Rat jetzt viel Verantwortung. Der Rat wird definitiv früher sein als das Europäische Parlament, und das wird unseren Einfluss verringern. Aber wir haben die Möglichkeit, liebe Kollegen, wir haben die Möglichkeit, das Ding zu retten, wenn jeder zweimal nachdenkt. Ich schaue auf ECR. Sie haben mit vielen Stimmen Erfolg gehabt, aber trotzdem haben Sie dagegen gestimmt. Ich sehe hier keine Erklärung. Ich schaue auf die Grünen und die S&D. Sie haben dagegen gestimmt, obwohl alle Kompromisse, die wir zu jedem Zeitpunkt gemacht haben, an dem die EVP beteiligt war – hallo, beruhigen Sie sich –, erfolgreich waren. Aber die Punkte, an denen Sie dachten, dass „eine knappe Mehrheit mit vier Stimmen, am Ende können wir das Parlament dominieren“, haben Sie verloren! (Gemischte Reaktionen) Beruhigen Sie sich, bitte. Demokratie bedeutet also, das Parlament zu respektieren und den Schaden zu verringern. Eine Reduzierung des Schadens, um ihm einen zweiten Prozess zu geben. Und alle, die heute dagegen gestimmt haben, können es sich zweimal überlegen. Ich bitte um Rücküberweisung an den Ausschuss. Bitte töten Sie das EHS nicht. Stimmen Sie dafür, es zurück in den Ausschuss zu bringen, um einen zweiten Gedanken zu haben.
Überarbeitung des Emissionshandelssystems der EU - Klima-Sozialfonds - CO2-Grenzausgleichssystem - Überarbeitung des Emissionshandelssystems der EU für die Luftfahrt - Mitteilung im Rahmen des Systems zur Verrechnung und Reduzierung von Kohlenstoffdioxid für die internationale Luftfahrt (CORSIA) (gemeinsame Aussprache – Fit für 55 (Teil 1))
Herr Präsident! Vielen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die vielen sehr lebhaften Beiträge. Ein paar Punkte von mir als Berichterstatter zur Reaktion. Erstens: Viele haben gesagt: Das Paket ist nicht ambitioniert, vor allen Dingen der Emissionshandel sei nicht ambitioniert genug. Wenn wir mal ausrechnen: Wenn wir das Paket zum Emissionshandel annehmen, dann reduzieren wir 1,5 Milliarden Tonnen CO2 bis 2030, das sind 1500 Millionen Tonnen. CO2-PKW, über das wir hier so herzhaft streiten, reduziert, wenn der Kommissionsvorschlag angenommen wird, bis 2030 60 Millionen. Also das ETS bringt mehr als 20 Mal so viel wie der durchaus sportliche Vorschlag zu CO2-PKW. Deswegen sollten wir wirklich nicht sagen, dass es nicht ambitioniert ist. Wir haben noch einige Änderungswünsche. Frau Grapini, unterstützen Sie den Änderungsantrag der EVP! Wir wollen, dass auch KMU aus dem Sozialfonds unterstützt werden. Da muss nur Ihre Fraktion ein Plus machen, dann hat das eine Mehrheit. Das wäre schön. Herr Vizepräsident, viele machen sich Sorgen um das Thema Kernenergie. Deswegen gibt es Anträge des Ausschusses, das konkret auszuschließen. Ich möchte von Ihnen gerne die Versicherung, dass das ETS und der Modernisierungsfonds und der Innovationsfonds nicht zu Kernenergiefonds werden, damit wir hier die Kolleginnen und Kollegen beruhigen können. Und zum guten Schluss an alle. Ich glaube, Pernille Weiss und viele haben das gesagt; jeder hat noch einen Punkt, wo er sagt, das könnte noch besser laufen. Ich habe das heute Morgen schon gesagt: Beim ETS 2 bin ich nicht wirklich glücklich, aber ich respektiere den Kompromiss. Und wenn jeder nur auf seiner Maximallinie beharrt und am Ende den Kompromiss ablehnt, den Bericht ablehnt, weil seine Maximalforderung nicht drin ist, dann werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht. Die Industrie braucht Planungssicherheit. Sie braucht Unterstützung, wenn sie sich auf den Weg zur Klimaneutralität macht. Unsere Erde, unsere Kinder und Enkelkinder brauchen ambitionierten Klimaschutz. Und dafür müssen wir morgen abstimmen.
Überarbeitung des Emissionshandelssystems der EU - Klima-Sozialfonds - CO2-Grenzausgleichssystem - Überarbeitung des Emissionshandelssystems der EU für die Luftfahrt - Mitteilung im Rahmen des Systems zur Verrechnung und Reduzierung von Kohlenstoffdioxid für die internationale Luftfahrt (CORSIA) (gemeinsame Aussprache – Fit für 55 (Teil 1))
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 14. Juli letzten Jahres hat die Europäische Kommission die Vorschläge für das „“-Paket vorgelegt. Exakt am gleichen Tag gab es diese schreckliche Überschwemmung in Mitteleuropa. Und als Sie, Herr Vizepräsident Timmermans, das Paket vorgestellt haben, kriegte ich auf mein Handy die Nachricht, dass in meinem Wahlkreis ein Feuerwehrmann ertrunken ist. In anderen Teilen Deutschlands sind in einem einzigen Landkreis 130 Menschen ertrunken. Wir sehen Trockenheit und Hitze in Europa. Die Wälder sterben, die Menschen leiden unter der Hitze. Es ist nicht mehr nur ein Thema der kleinen Inselstaaten und der Eisbären. Der Klimawandel ist unser Problem. Und wenn wir nicht handeln, ist es vor allen Dingen ein unlösbares Problem für unsere Kinder und Enkelkinder. Deswegen müssen wir uns anstrengen. Mit dem Paket vervierfachen wir unsere Anstrengungen pro Jahr. Wir haben 25 % reduziert – als einzige große Region der Welt haben wir reduziert, aber das reicht nicht aus: In nur acht Jahren wollen wir weitere 30 % schaffen. Der Krieg in der Ukraine mag uns dazu zwingen, Punkte anzupassen; Esther de Lange hat darüber gesprochen, und ich unterstütze das voll, dass wir hier kurzfristig reagieren. Aber das Ziel, das wollen wir als EVP nicht aufgeben. Denn unsere Abhängigkeit von Russland, die hohen Preise, unter denen wir alle und vor allen Dingen einkommensschwache Familien im Moment leiden, und der Klimawandel haben die gleiche Ursache: unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Und deswegen müssen wir davon runter. Der Emissionshandel, den ich als Berichterstatter betreuen durfte, ist das Kernstück von „Fit for 55“. Sowohl IPCC als auch die UNO sagen immer wieder, dass wir dringend einen CO2-Preis brauchen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die geholfen haben – natürlich bei den Kolleginnen und Kollegen, aber vor allen Dingen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die weit über das normale Maß hinaus geackert haben. Ganz, ganz herzlichen Dank dafür! Wir haben viel gemeinsam erreicht. Wir beziehen den Seeverkehr in den Emissionshandel mit ein, und das ist auch bitter nötig. Schiffe – so hat es ein Kollege ausgedrückt – verbrennen oft den letzten Dreck, und sie sind bisher kaum in europäisches Umwelt- und Klimarecht einbezogen. Wir wollen, dass das Geld aber für Innovationen ausgegeben wird und nicht im allgemeinen Haushalt verschwindet, deswegen gezielte Unterstützung durch einen Fonds. Wir erhöhen die Ambitionen bei Industrie und Stromerzeugung deutlich. Aber wir geben auch den Unternehmen, die sich auf den Weg machen, Planungssicherheit und Rückenwind. Wer in Klimaneutralität investiert, darf nicht aus Europa vertrieben werden. Wir wollen Europas Industrie dekarbonisieren und nicht Europa deindustrialisieren. Wir schaffen ein neues ETS für den Wärme- und Verkehrsbereich. Und da ist es mir persönlich wichtig, Herr Vizepräsident, dass wir teilweise den Anwendungsbereich auch erweitert haben und Prozessemissionen einbeziehen. Das heißt, das Unternehmen, das die beste Idee hat, gewinnt im Wettbewerb und nicht das Unternehmen, das national den niedrigsten CO2-Preis hat. Für mich ist es schmerzhaft, dass ich einen Kompromiss eingehen musste beim privaten Verbrauch. Wir erlegen damit den Mitgliedstaaten eine ganz, ganz hohe Belastung und Verantwortung auf. Die Mitgliedstaaten müssen jetzt im Rahmen des effort sharing sehr viel mehr tun, als wenn wir das ETS 2 vollständig beschlossen hätten. Das können Abgaben sein, Steuern, das können auch Verbote sein: Das ist eine hohe Verantwortung. Aber ich stehe zu dem Kompromiss. Ich stehe zu dem Kompromiss, den wir breit beschlossen haben, mit Dreiviertelmehrheit im ENVI beschlossen haben. Und da sind ja Dinge drin, die wir auch wirklich gemeinsam jetzt gegenüber dem Rat tragen müssen: der Preisdeckel, die stärkere Verantwortung für die Gas- und Ölkonzerne – es ist doch unglaublich, wie die im Moment wieder abzocken, wo die Menschen ohnehin in Not sind; da müssen wir ran. Und wir ziehen zeitlich den Klima-Sozialfonds nach vorne. Die Menschen werden also erst Unterstützung bekommen, und dann kommt irgendwann der Preis – erst Unterstützung, das ist wichtig. Noch mal, liebe Freundinnen und Freunde, was wir diese Woche beschließen, ist ein riesiger Schritt. Es gibt weltweit keine große Industrieregion, die sich auch nur annähernd so ambitioniert und so präzise auf den Weg macht. Das sollte nicht kleingeredet werden, aber das sind wir unseren Kindern und Enkelkindern schuldig.
Der REPowerEU-Plan: Europäische Solidarität und Energiesicherheit angesichts der Invasion der Ukraine durch Russland, einschließlich der aktuellen Unterbrechungen der Gaslieferungen an Polen und Bulgarien (Aussprache)
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen, zunächst einmal volle Solidarität für Polen und für Bulgarien. Es war richtig, nicht in Rubel zu bezahlen, und wir müssen diese Länder jetzt unterstützen. Wir dürfen uns von Russland nicht erpressen lassen. Frau Kommissarin, volle Unterstützung für die Erhöhung des Ziels bei erneuerbaren Energien auf 45 %. Das war ja ein Vorschlag unseres EVP-Berichterstatters. Gut, dass die Kommission jetzt mitgeht, und ich freue mich zu sagen, dass wir auch bereit sind, bei der Energieeffizienz diesen höheren Wert zu unterstützen, wenn bestimmte Bedingungen erreicht sind. Ich glaube, das ist auch wichtig. Sehr kritisch wird die Versteigerung von zusätzlichen Zertifikaten aus dem Emissionshandel diskutiert. Als Berichterstatter und Koordinator der EVP sage ich: Die Idee kann ich grundsätzlich mitgehen. Kosten gehen runter, Preise gehen runter, Investitionen gehen rauf. Aber es ist nicht gut, das Geld in die Aufbau- und Resilienzfazilität zu stecken. Hier ist das Parlament raus. Die Mitgliedstaaten machen, was sie wollen. Es gibt keine grenzüberschreitenden Projekte. Also da müssen wir noch mal nachbessern. Wie wäre es mit dem Innovationsfonds für wirklich europäische Projekte? Dann können wir mitgehen.
Sechster Sachstandsbericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC) (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Formal diskutieren wir ja jetzt über den zweiten Teil des IPCC-Berichts. Deswegen aus meiner Sicht kurz etwas zur Klimaanpassung: Ich glaube, es ist extrem wichtig, dass wir unsere Forstwirte dabei unterstützen, die Wälder klimagerecht wieder aufzuforsten, dass wir eine nachhaltige Forstwirtschaft in Europa erhalten und unterstützen. Das ist aus meiner Sicht ein zentraler Gedanke, ein zentraler Punkt bei der Anpassung an den Klimawandel. Aber um 17.00 Uhr wurde der dritte Teil veröffentlicht, deswegen werde ich mich natürlich auch schwerpunktmäßig auf den dritten Teil konzentrieren. Es ist ganz klar: Wir müssen schnell handeln, um dem Klimawandel zumindest teilweise Einhalt zu gebieten und um gleichzeitig unabhängiger von Importen von Energie aus Russland zu werden. Und ich darf Sie darüber informieren, dass gerade vor einer halben Stunde die EVP beschlossen hat, dass wir eintreten für ein Embargo von Kohle, Öl und Brennstoffen für Kernenergie, weil wir auch da zu abhängig von Russland sind. Und das macht auch deutlich, dass diese Technologien vielleicht kurzfristig – wenn sie nicht aus Russland kommen – eine größere Rolle spielen können, aber dass es ganz bestimmt nicht die Lösung ist. Die Lösung sind erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Und da müssen wir jetzt wegen Russland, aber auch wegen des Klimaschutzes engagierter werden. Wir müssen andere Teile der Welt auf diesem Weg stärker mitnehmen, nicht um unsere eigenen Ambitionen zu verringern. Aber wenn wir unsere 55 Prozent durchsetzen und die Amerikaner ihr Ziel umsetzen, dann haben die Amerikaner immer noch mehr als doppelt so viel Pro-Kopf-Emissionen. Und auch darüber müssen wir sprechen. Und wir müssen – das sagt das IPCC immer wieder – einen CO2-Preis mit sozialem Ausgleich in allen Teilen der Wirtschaft haben und uns jetzt wirklich auch stärker auf die negativen Emissionen konzentrieren. Wir dürfen hier keine Zeit verlieren. Die Kommission hat etwas angekündigt für nächstes Jahr. Wir müssen hier ganz, ganz schnell handeln.
Stärkung Europas im Kampf gegen Krebserkrankungen(Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Jeder von uns hat, wenn wir über Krebs reden, eine Person vor Augen – jemanden aus der Familie, aus dem Freundeskreis –, die an Krebs erkrankt ist oder sogar daran gestorben ist. Bei mir ist es einer meiner besten Freunde: Hans-Jörg. Vor einigen Jahren – mit 46 Jahren – qualvoll an Krebs gestorben, und ich denke, jeder von uns hat, wenn er die Bilder vor Augen hat, das Ziel, anderen Menschen, anderen Familien dieses Schicksal zu ersparen. Dabei können wir als EU den Krebs nicht alleine besiegen, aber wenn wir nicht die richtigen Weichenstellungen treffen, dann wird es nicht gelingen – insbesondere bei seltenen Krebsarten und bei Krebs bei Kindern. Die Forscher müssen zusammenarbeiten über Grenzen, und dabei müssen wir ihnen den roten Teppich ausrollen und nicht Steine in den Weg legen, wie wir das zum Beispiel bei der Umsetzung des Datenschutzes und anderen Dingen tun. Patienten brauchen Hilfe, wenn sie in einem anderen Land einen Spezialisten aufsuchen wollen, und keine europäische oder nationale Bürokratie. Da müssen wir besser werden. Leider ist der Bericht ein bisschen überschattet worden von Debatten über Alkohol. Da wird auch was reininterpretiert, was da gar nicht drinsteht, aber die wissenschaftlichen Fakten, die müssen wir ja schon berücksichtigen. Véronique, der französische Agrarminister hat gestern im Umweltausschuss gesagt, der Bezug zur WHO, der wäre nicht nötig. Véronique, das ist gut, dass er da drinsteht, und die EVP unterstützt die entsprechende Passage. Wir sollten die wissenschaftlichen Fakten nicht ignorieren. Vor allen Dingen sollten wir aber gemeinsam für diesen Bericht stimmen. Und wenn es nicht ausreicht, was ansonsten an Argumenten vorgetragen worden ist, dann sollten wir uns das Thema Krebs bei Kindern vor Augen halten. Alle Wissenschaftler sagen, wir können das nur schaffen, wenn Europa zusammenarbeitet, und da stehen wichtige Punkte drin. Krebs ist die wichtigste Todesursache bei Kindern nach dem ersten Lebensjahr. Und wenn es sonst keinen Grund gibt, für diesen Bericht zu stimmen, dann denken Sie an die krebskranken Kinder und ihre Familien. Stimmen Sie für den Bericht, den wir nach vielen Monaten gemeinsam erarbeitet haben!
Vorbereitung der Tagung des Europäischen Rates am 16./17. Dezember 2021 - Reaktion der EU auf die erneute weltweite Ausbreitung von COVID-19 und neu auftretende Virusvarianten (Aussprache)
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Wochenende habe ich erneut in meiner Heimat bei der Impfkampagne geholfen, und es war sehr erfreulich, dass viele Menschen sich erstimpfen lassen haben. Und auf die Frage, warum sie jetzt erst zur Erstimpfung kommen, haben einige gesagt: Ja, man kommt ja sonst nirgendwo mehr rein. Das heißt, medizinisch gerechtfertigte Vorteile für Geimpfte helfen auch, die Impfquote zu steigern. Es waren aber auch einige dabei, die gesagt haben: Ich hatte vorher keine Gelegenheit, ich wusste nicht, wo ich mich impfen lassen sollte. Und da müssen wir besser werden. Niederschwellige Impfangebote für alle, das ist auch das Gebot der Stunde. Aber vor allen Dingen habe ich natürlich viele Menschen geboostert, und ich bedanke mich bei Ursula von der Leyen, dass Sie auf die Notwendigkeit dieser Booster—Impfung noch einmal hingewiesen hat. Es gibt ganz klare Erkenntnisse, dass Geboosterte auch gegen Omikron besser geschützt sind. Und da habe ich mich doch sehr geärgert über die Äußerung des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation, Herrn Dr. Tedros, der gestern gesagt hat: Es gibt keine Beweise, dass Boostern auch gegen Omikron hilft. Das ist nicht die erste Äußerung von Tedros, die mich etwas befremdet. Ich habe manchmal Zweifel, ob der wirklich für den Job geeignet ist. Natürlich müssen wir unser Augenmerk auf Afrika richten und dort besser helfen. Und ich habe die große Hoffnung, dass der Impfstoff von Novavax, der hoffentlich in den nächsten Tagen auch in der EU zugelassen wird, hier helfen kann, weil er leichter zu handhaben ist und nicht so anspruchsvoll, etwa was Lagerung und Kühlung angeht. Aber wir sind doch in Europa gewählt, und wenn wir sehen, dass der Booster einen Schutz bringt, dann müssen wir unsere Menschen schützen. Mit Boostern wird es ein besseres Weihnachtsfest. Und deswegen heißt das Gebot der Stunde Boostern. Ich wünsche allen frohe Weihnachten!
Bewertung von Gesundheitstechnologien (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte besonders die Bedeutung der vorliegenden Gesetzgebung für die Krebspatienten in Europa hervorheben. Sie werden als erstes davon profitieren, dass wir bei der Nutzenbewertung effizienter werden. Als die EVP 2018 zum ersten Mal systematisch gefragt hat, wie wir Patienten, die an Krebs leiden, besser helfen können, war eine unserer Forderungen: HTA muss angenommen werden. Ich freue mich, dass wir das jetzt endlich geschafft haben. Die Institutionen, die für die Nutzenbewertung zuständig sind, müssen in Zukunft mit der Europäischen Arzneimittelagentur zusammenarbeiten. Das kann gerade bei Krebspatienten dazu führen, dass wir wirkliche Innovationen bekommen und wenig Scheininnovation. In der Frauenpolitik ist MeToo notwendig und dringend. In der Arzneimittelpolitik ist MeToo Verschwendung von Ressourcen. Das bedeutet nämlich: Eine Firma bringt nur ein Medikament auf den Markt, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen, ohne dass es eine wirkliche Innovation für die Patientinnen und Patienten darstellt. Und wenn man rechtzeitig signalisiert bekommt in der Kooperation EMA und HTA-Institutionen: Das ist keine wirkliche Innovation, da kriegt man vielleicht eine Zulassung, aber niemals eine Erstattung – dann konzentriert man sich hoffentlich auf wirkliche Durchbrüche wie zum Beispiel die mRNA-Technologie gegen Krebs. Ich danke allen, die mitgeholfen haben, zu diesem Ergebnis zu kommen: Tiemo Wölken, Nathalie Colin-Oesterlé für die EVP, Stella als Kommissarin. Ich glaube, wir werden mit diesem Vorschlag Ressourcen schonen und Doppelarbeit vermeiden. Die Finanzierung wird nach wie vor national entschieden. Wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen, so heißt es im Deutschen. Aber dass ein Medikament in Frankreich das Leben um zwei Jahre verlängert und in Deutschland nur um sechs Monate oder umgekehrt, das kann nicht sein. Deswegen muss die Nutzenbewertung auf der wissenschaftlichen Basis in Europa gemeinsam gemacht werden. Die hochbezahlten Leute, die das 27 Mal machen, die sollen sich wirklich um die Innovationen kümmern und nicht um Doppelarbeit.
Ergebnisse der COP26 in Glasgow (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieses Glas ist mehr als halbvoll, und ich bewerte auch die Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow so, dass das Glas mehr als halbvoll ist. Es ist viel erreicht worden. Als wir vor zwei Jahren in Madrid waren, war die EU die einzige große Volkswirtschaft, die sich zur Klimaneutralität bekannt hat. In den zwei Jahren bis Glasgow und in Glasgow ist praktisch die ganze Welt dazugekommen. Nicht nur Industriestaaten, wie die USA, Kanada, Australien, Japan, sondern auch ein Schwellenland wie Südafrika hat sich bereit erklärt, bis 2050 klimaneutral zu sein. Das Gespräch mit der südafrikanischen Delegation war für mich besonders beeindruckend. Es bleibt aber ein Riesenproblem, und deswegen ist das Glas nicht wirklich voll – es reicht nicht aus. Vor allem reicht nicht aus, was wir an Ambitionen für 2030 haben. Wir haben immer noch die Tatsache, dass der größte Emittent der Welt, nämlich China, seine Emissionen bis 2030 steigern will. Dann werden wir, im Sinne unserer Kinder und Enkelkinder, den Klimawandel nicht kontrollieren können. Deswegen sind wir noch nicht am Ziel. Für mich sind jetzt vier Punkte wichtig. Erstens, wir müssen noch mehr mit den Drittstaaten arbeiten, vor allen Dingen auch mit den afrikanischen Ländern, und unsere Gesetzgebung auch so schreiben, dass die mitgehen. Zweitens, wir brauchen Ambitionen, natürlich. Aber wir müssen es auch so machen, dass wir für andere Vorbild sind, dass die Welt sagt: Wir wollen es so machen wie die Europäische Union. Dazu brauchen wir Technologie, und dazu müssen wir den Klimaschutz mit möglichst niedrigen Kosten erreichen. Und das heißt nicht, dass wir Politiker entscheiden, was im Detail gemacht wird, sondern die Bürgerinnen und Bürger. Das geht am besten mit marktwirtschaftlichen Systemen. Deswegen danke an die Kommission, dass sie bei Fit for 55 auch so auf den Emissionshandel setzt. Letztlich: Wenn das so ist, dass wir noch nicht am Ziel sind und dass China dieses unverantwortlich schlechte Ziel hat, dann brauchen wir auch weiterhin Schutz gegen carbon leakage, denn wir wollen nicht Europa deindustrialisieren, sondern wir wollen die Industrie dekarbonisieren.
EU-Strategie zur Verringerung der Methanemissionen (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal herzlichen Dank an Maria Spyraki und herzlichen Glückwunsch zu dem Bericht, den sie vorgelegt hat. Methan ist ein riesiges Problem: Es ist das zweitwichtigste Klimagas. Auch wenn es eine kürzere Lebensdauer als CO2 hat, hat es doch ein erheblich höheres Treibhausgaspotenzial. Gerade die nächsten zehn Jahre – genau wissen wir es nicht, aber die nächsten Jahre – werden entscheidend sein, um gefährliche Kipppunkte im Klimasystem zu vermeiden, zum Beispiel das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien. Also zu viel Methan in den nächsten zehn Jahren kann sehr, sehr viel Methan für unsere Kinder und Enkelkinder bedeuten, und dann können wir den Klimawandel nicht mehr in den Griff bekommen. Aber ich bin sehr dafür, dass wir das Ganze nicht zu einem Streit zwischen Klimaschutz und Landwirtschaft machen. Landwirte sind Teil der Lösung. Sie bieten auch viele Senken an, zum Beispiel durch Humusaufbau oder nachhaltige Forstwirtschaft. Deswegen sollten wir sie nicht stigmatisieren, sondern gemeinsam mit den Landwirten an der Reduktion von Methanemissionen arbeiten. Wir sollten im Gassektor Leckagen verhindern, und wir sollten endlich dafür sorgen, dass in ganz Europa kein Abfall mehr auf der Deponie landet. Das muss ein Ende haben, denn auch da entsteht Methan, und wir vernichten wichtige Rohstoffe, die unsere Kinder noch brauchen. Und als Letztes: Frau Kommissarin, herzlichen Glückwunsch zu dem Abkommen mit den USA. Klimaschutz ist keine nationale oder rein europäische Aufgabe. Wir brauchen internationale Zusammenarbeit, und auf dem Weg müssen wir weitermachen.
Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow (Vereinigtes Königreich) (COP 26) (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Während der letzten COP in Madrid hat der Europäische Rat sich – später als das Europäische Parlament, aber immerhin – für die Klimaneutralität bis 2050 ausgesprochen, und mittlerweile ist das in Europa Gesetz. Wir haben in Madrid mit vielen Abgeordneten und Vertretern anderer Nationen gesprochen und sie ermuntert, auf diesem Weg zu folgen. Japan, Südafrika, die USA und Kanada und viele andere haben das getan. Ich stimme der Entschließung zu, wenn wir sagen, dass bei China noch viel Arbeit notwendig ist, denn CO2-neutral 2060 reicht sicherlich nicht aus. Aber ich finde es besonders schändlich, dass Australien als reiches Industrieland noch keine solche Verpflichtung abgegeben hat, und daran müssen wir hart arbeiten. Auf allen Ebenen muss die internationale Klimapolitik Priorität haben. Und wir müssen auch – das hat der stellvertretende Vorsitzende richtig gesagt – beim Schiffs- und beim Luftverkehr mehr machen. Wir sollten nicht so argumentieren, als ob wir national oder in Europa eine Luftsäule hätten, und wenn wir die dekarbonisieren, dann wäre alles gut, sondern wir müssen viel mehr international und gemeinsam arbeiten. Aber ich widerspreche nachdrücklich allen, die sagen, wir müssten jetzt beim Paket „Fit für 55“ irgendwelche Abstriche machen, weil wir hohe Energiepreise haben. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz können so etwas sein wie die Impfung bei der Coronakrise: Wenn wir investieren, dann werden wir immun gegen hohe Preise fossiler Brennstoffe. Und wenn die Krankheit schlimmer wird, dann ist das bei Corona genauso wie bei den hohen Energiepreisen: Dann darf man nicht aufhören, den Impfstoff zu produzieren, sondern dann muss man schneller machen mit dem Impfen. Deswegen ja zu „Fit für 55“ – gerade wegen der hohen Energiepreise.
Europäische Lösungen angesichts des Anstiegs der Energiepreise für Unternehmen und Verbraucher: die Rolle von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien und die Notwendigkeit, gegen Energiearmut vorzugehen (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen vor einer ernsthaften Herausforderung durch hohe Energiepreise in der Europäischen Union. Wir müssen jetzt sehr klug reagieren. Es ist ein beliebter Vorwurf an Politikerinnen und Politiker, dass sie immer nur an die nächste Wahl und nie an die nächste Generation denken. Und, Frau Kommissarin, da gibt es aus den Mitgliedstaaten Druck auf Sie, jetzt zum Beispiel, den Emissionshandel zu schwächen und neue Schritte zum Emissionshandel, die im Paket „Fit for 55“ stehen, wegen der aktuell hohen Energiepreise jetzt nicht umzusetzen. Die Maßnahmen von „Fit for 55“ wirken 2025, 2026, 2027 erst wirklich. Wer jetzt sagt, wir müssen das ETS schwächen, der bestätigt jedes Vorurteil. Und ich bin dazu nicht bereit. Wir müssen in Energieeffizienz und in erneuerbare Energien investieren. Das hilft direkt. Und das müssen wir ganz besonders bei sozial Schwachen machen, indem wir sie in die Lage versetzen, energieeffiziente Produkte zu kaufen. Denn – das hat Pernille Weiß richtig gesagt – Energie, die ich nicht verbrauche, die erfordert auch keine Kosten. Das gilt auch volkswirtschaftlich: Je weniger wir verbrauchen, desto weniger sind wir abhängig, und desto weniger sind wir solchen Preisschocks ausgesetzt. Und Investoren in diese Technologie brauchen Klarheit. Jeder, der sich klimafreundlich verhält, soll Geld verdienen. Deswegen brauchen wir jetzt eine kluge, langfristige Strategie mit gezielten Hilfen, dürfen aber nicht die europäische Klimapolitik an irgendeiner Stelle infrage stellen.
EU-Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen: Sicherstellung eines koordinierten EU-Ansatzes für zukünftige Gesundheitskrisen und die Rolle des Europäischen Parlaments dabei (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Europäische Union steht, was die Pandemiebekämpfung angeht, jetzt sehr gut da. Wir haben die höchste Impfrate weltweit, und wir waren gemeinsam erfolgreich. Aber wir haben Anfang dieses Jahres drei schwere Monate erlebt. Es gab zu wenig Impfstoff und zu spät für viele Bürgerinnen und Bürger in der EU. Das lag an Exportverboten anderer Staaten. Es lag daran, dass sich die Firma Pfizer bei der Haftung quergestellt hat. Und es ist gut, dass die Kommission da hart geblieben ist. Aber es lag auch daran, dass wir so etwas wie die HERA nicht hatten. Die Amerikaner hatten die BARDA und haben deshalb auch schneller mehr Impfstoff produzieren können. Deswegen haben wir als Parlament in großer Mehrheit gesagt: So etwas wie die US-BARDA möchten wir auch. Und wir möchten auch ausdrücklich die Zusammenarbeit von privaten Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Der BioNTech-Impfstoff ist ein absoluter Schlager weltweit, und er bringt uns aus der Pandemie. Die EU, nationale Mittel und privates Kapital haben hierzu beigetragen, und das hätte eigentlich auch den Medizin-Nobelpreis verdient gehabt. Deswegen brauchen wir so etwas wie die Amerikaner. Und deswegen sind wir als EVP grundsätzlich für die HERA. Wir sehen aber das Demokratiedefizit. Deswegen machen wir den Vorschlag: Ja, wir akzeptieren die HERA, aber für eine begrenzte Zeit, und wir wollen dann ein ordentliches Gesetzgebungsverfahren mit dem Parlament als Mitgesetzgeber – also keine Zeit verlieren, aber für eine demokratische Lösung kämpfen.
Naturkatastrophen im Sommer 2021 - Auswirkungen von auf den Klimawandel zurückzuführenden Naturkatastrophen in Europa (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit, mit dem Bürgermeister von Altenahr, das liegt in meinem Wahlkreis, die Stelle zu besichtigen, wo der erste Mensch am 14. Juli ums Leben gekommen ist: Ein Feuerwehrmann, der gerade jemand anders gerettet hat und dann durch einen Unfall selber in den Fluten ums Leben gekommen ist. Und ich habe Menschen gesehen, die alles verloren haben, die ihr Haus versucht haben zu renovieren, ohne zu wissen, ob die Bausubstanz das überhaupt noch trägt. Und dort sitzt der Kollege Ralf Seekatz, der hat in seinem Wahlkreis das Ganze noch sehr viel schlimmer: Altenahr, ein Toter, Altenahr, das Ahrtal, viele, über 100 Tote. Und deswegen ist uns das so wichtig, dass Europa jetzt solidarisch ist. Wir sind sehr besorgt über die Meldungen, dass das Geld nicht ausreicht. Ich glaube, wir müssen uns da wirklich etwas überlegen, Frau Kommissarin. Ich bin sicher, die Unterstützung des Europäischen Parlaments haben Sie, und den Rat müssen wir entsprechend herausfordern. Wir müssen unbürokratisch helfen, auch noch mal bitte klarstellen, dass öffentliche Ausschreibungen, Beihilferegeln hier jetzt außer Kraft gesetzt werden, damit man anpacken kann. Aber wir müssen dann eben auch aus dem Europäischen Solidaritätsfonds Mittel investieren. Allein in der einen Stadt, die ich besichtigt habe, in meinem Wahlkreis, betragen die Schäden an der öffentlichen Infrastruktur 60 Millionen. Und wenn wir das deutschlandweit, europaweit sehen, ist es sehr viel mehr. Also anpacken und helfen.
Vorstellung des Pakets „Fit für 55“ nach der Veröffentlichung des Berichts des Weltklimarates (Aussprache)
… dieses Sommers und der IPCC-Bericht waren ein Weckruf. Wir müssen den Klimaschutz-Turbo in Europa und weltweit anschalten. Wir als EVP sagen ja zu den Vorschlägen der Europäischen Kommission. Und wir sagen auch nicht: ja, aber – wir sagen ja, und wir sehen Potenzial, sie noch besser zu machen. Wir sehen zum Beispiel die Möglichkeit, auch für PKW, die mit synthetischen Kraftstoffen fahren, einen Weg zu eröffnen, damit wir alle Möglichkeiten nutzen, um wirklich klimaneutral zu werden. Und wir unterstützen die Kommission vor allen Dingen dabei, dass sie einen marktwirtschaftlichen Ansatz wählt und gleichzeitig den sozialen Ausgleich vorlegt. Ich möchte mich eindeutig für diesen Vorschlag der Europäischen Kommission aussprechen, für das neue ETS und für den Klima-Sozialfonds. Der Sinn ist nämlich, dass jeder profitiert, der sich klimafreundlich verhält. Jeder Privatmensch, jede Firma, die eine gute Idee hat, soll das verwirklichen, und nicht nur die, die in ein irgendwie geartetes bürokratisches Schema von Brüssel passen. Glückwunsch, Herr Timmermans, für diese Kombination! Und Sie haben einen sozialen Ausgleich vorgelegt. Das ist das erste Mal, und da spreche ich Grüne und Sozialdemokraten an: Wo war denn der soziale Ausgleich beim bestehenden ETS? Wo ist denn der soziale Ausgleich für das EEG, das in Deutschland zum Beispiel eingeführt wurde, um Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien zu erreichen? Kinderreiche Familien und sozial Schwache werden auch durch hohe Strompreise belastet, und nicht erst durch Überlegungen für ein neues ETS. Deswegen suchen wir doch den sozialen Ausgleich. Und mäkeln wir nicht an dem Prinzip herum, dass wir ein Preissignal brauchen, damit wir alle Technologien nutzen! Wir sollten nicht herummäkeln, wir sollten anpacken und gemeinsam dieses Paket auf den Weg bringen und es noch besser machen.
Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten - Schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir brauchen mehr Zusammenarbeit in der Europäischen Union bei der Bekämpfung von Pandemien und anderen Herausforderungen. Und wir brauchen mehr Unabhängigkeit von China und anderen, um als Europäer handeln zu können und unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Und entgegen dem, was hier teilweise gesagt wurde, erlauben uns die europäischen Verträge, weiter zu gehen als bisher. Hier gibt es einen guten Vorschlag der beiden Berichterstatterinnen, und ich danke allen, die dabei geholfen haben, insbesondere für die EVP Esther de Lange und Radan Kanev. Die EVP wird beide Berichte morgen unterstützen. Wir müssen weiter aus den Fehlern lernen, die während der Pandemie gemacht wurden, und Lehren ziehen. Deswegen begrüße ich sehr, Stella Kyriakides, die Ankündigung der Kommission, diese Woche einen Vorschlag zu HERA vorzulegen, damit wir schneller die notwendigen Materialien wie Impfstoffe kaufen können. Und hier möchte ich noch einmal ganz deutlich etwas sagen: Ich habe ganz viel Unsinn gerade gehört in der Debatte über den mangelnden Nutzen von Impfstoffen und die nicht vorhandene Gefahr von COVID-19 bei unter 70-Jährigen. Ich weiß es leider anders. Ich rede mit Intensivmedizinern, und die Kliniken sind voll, die Intensivstationen sind voll von jungen Leuten, die nicht geimpft waren und unter 70 sind. Und ich war vor kurzem in meiner alten Klinik, in der ich gearbeitet habe, in der Kinderklinik. Und da ist eben leider auch des Öfteren schon vorgekommen, dass Schwangere einen schweren Verlauf hatten und dass auch Neugeborene betroffen waren. Also die Impfung ist wichtig. Das sollte auch eine Botschaft dieser Debatte sein.
Allgemeines Umweltaktionsprogramm der Union für die Zeit bis 2030 (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir müssen wirklich entschlossen, aber auch klug handeln, um unsere Umwelt zu schützen. Ich bedanke mich bei allen, die an dem vorliegenden Bericht mitgearbeitet haben, für die EVP vor allen Dingen Agnès Evren. Die erste Priorität im neuen Umweltaktionsprogramm ist zu Recht das Ziel, die Klimaneutralität in der Europäischen Union herzustellen. Wir sind die erste Generation, die schon unter den Folgen des Klimawandels leidet. Da müssen wir nur in unsere Wälder schauen, aber auch auf die Ausbreitung der Wüsten in vielen Teilen der Erde und vieles andere. Wir sind die letzte Generation, die den Klimawandel noch nachhaltig stoppen kann, weil es gefährliche Punkte gibt, Kipppunkte im Klimasystem. Und wenn wir das jetzt nicht hinkriegen, dann werden unsere Kinder und Enkelkinder den Klimawandel wahrscheinlich nicht mehr unter Kontrolle halten können. Deswegen ist es gut, dass die Kommission nächste Woche ihren Vorschlag für Fit for 55 machen wird. Und ich appelliere im Namen der EVP, dass wir da vor allen Dingen auf Marktwirtschaft setzen, auf Anreize, auf einen sozialen Ausgleich. Wir wollen das Emissionshandelssystem als Kern der europäischen Klimapolitik. Ordnungsrecht ergänzend ja, aber wer nur auf Ordnungsrecht setzt, der hat auch sehr, sehr viele Kosten. Und er hat keine Möglichkeit, europäisch die Belastungen auszugleichen. Deswegen denke ich: Anreize, Marktwirtschaft, Kreativität jedes Einzelnen, das ist der Weg – und nicht zu viele Vorschriften aus Brüssel.
Europäische Arzneimittel-Agentur (Fortsetzung der Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die EVP wird den Bericht unterstützen. Er sorgt dafür, dass wir Arzneimittelknappheit besser bekämpfen können, dass wir auf zukünftige Pandemien und ähnliche Herausforderungen besser vorbereitet sind. Mein Dank gilt dem Berichterstatter, Cristian-Silviu Buşoi als EVP-Schattenberichterstatter und allen anderen, auch der Kommission, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Ich möchte meine Redezeit aber vor allen Dingen nutzen, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu danken. Die Europäische Arzneimittel-Agentur wurde massiv unanständig kritisiert in dieser Pandemie. Die Leute haben Tag und Nacht und auch am Wochenende gearbeitet, und die Häme, die da über sie ausgeschüttet wurde, haben sie nicht verdient. Es war gut, dass die EMA ihre Prozesse beschleunigt hat, und ich habe sie auch persönlich dabei noch mal motiviert, z. B. bei der Zulassung des Impfstoffs für Jugendliche, aber diese Häme war unanständig, und es war gut, dass wir in Europa auf einen sorgfältiges und dennoch zügiges Verfahren gesetzt haben. Mein Vorredner hat gesagt, das Impftempo ist gering. Was für ein Unsinn! Die meisten europäischen Staaten wie Belgien oder Italien haben die USA schon überholt, und nächste Woche, sage ich voraus, wird die Europäische Union die USA überholen. Unsere Grundentscheidungen waren richtig: auf bedingte Zulassung und auf Haftung der Hersteller setzen, gemeinsames europäisches Handeln. Das war richtig und das sollten wir uns nicht kaputtreden lassen.
Aktueller Stand der Umsetzung der Verordnungen über das digitale COVID-Zertifikat der EU (Aussprache)
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Pandemie ist leider noch nicht vorbei, und deswegen müssen wir jetzt dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich sich so schnell wie möglich impfen lassen. Der Impfstoff ist jetzt vorhanden. Wir haben in einigen Tagen als EU die Vereinigten Staaten von Amerika beim Impfen überholt. Aber jetzt geht es darum, Skeptiker zu überzeugen. Und da gibt es viele, die sagen: Aber wenn ich geimpft bin, bin ich ja trotzdem nicht hundertprozentig geschützt. Das ist richtig. Es gibt keine 100 Prozent in der Medizin. Aber eine bekannte Virologin hat einmal gesagt: Wenn es in der Hundehütte bellt, dann ist es meist der Hund und nicht das Zebra. Das heißt, wir sollten kommunizieren: Die Impfung schützt, und sie schützt auch andere. Und deswegen ist es auch medizinisch gerechtfertigt, Menschen, die geimpft sind, anders zu behandeln und ihnen ihre Freiheiten zurückzugeben. Wir müssen aber da, wo wenig geimpft wurde, noch genauer hinschauen. Ich bin sehr besorgt über das, was in Bulgarien passiert. Ich höre, dass der Übergangsgesundheitsminister bei seiner Impfkampagne nicht sehr überzeugend ist, und gleichzeitig werden russische Touristen in großer Zahl ins Land gelassen. Das ist eine offene Flanke, auch für Europa. Auf der anderen Seite: Wenn Menschen doppelt geimpft sind – und das habe ich auch kritisch meiner eigenen Regierung in Deutschland gesagt –, dann ist es nicht verhältnismäßig, sie 14 Tage in Quarantäne zu stecken, wenn sie aus Portugal kommen, und das hilft auch nicht, Menschen zu überzeugen. Deswegen bin ich sehr froh, dass dieser Missstand behoben ist. Wir sollten medizinisch gerechtfertigt handeln: Einschränkung nur, wenn das gerechtfertigt ist, und nicht willkürlich.