25
Apr
2024
Ansehen
Reformen im Vorfeld der Erweiterung und Überprüfung politischer Maßnahmen (Aussprache)
Frau Präsidentin, Herr Kommissar, lieber abwesender Rat, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir direkt gewählte Volksvertreterinnen und Volksvertreter haben im Februar deutlich formuliert: Die EU muss beitrittsfähig sein, damit die Erweiterung für alle Bürgerinnen und Bürger und mit allen einen Mehrwert generiert. Meine dringliche Frage an Sie, die Kommission und den Rat, lautet daher: Wie sieht der Fahrplan für die nächsten fünf Jahre aus, um diese Aufgabe umzusetzen – konkret, klar, mit Zeitvorgaben? Trotz der Mitteilung fehlen ein überzeugendes Strategiepapier und ein konkreter Maßnahmenkatalog, der in den Mitgliedstaaten transparent und unter Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger die gesellschaftliche Akzeptanz der Erweiterung ermöglicht. Die Proteste der Bauern haben uns doch gezeigt: Haushaltsfragen und Mittelvergabe, Reform der gemeinsamen Agrarpolitik, Fortführung der Sicherung einer solidarischen Struktur- und Kohäsionspolitik gehören auf den Prüfstand, damit es funktionieren kann. Die Erweiterung kann und darf angesichts der potenziellen Chancen, aber auch Risiken in einer Vielzahl von sich überschneidenden Bereichen nicht ein Top-down-, sondern muss, genau umgekehrt, ein Bottom-up-Prozess sein. Auch daran, dass der institutionelle Rahmen der EU reformiert werden muss, um im Zuge der Erweiterung handlungsfähig zu bleiben, kann kein Zweifel bestehen – Herr Verhofstadt hat darauf aufmerksam gemacht. Zum Schluss: Die allerwichtigste Grundvoraussetzung dafür, dass die Erweiterung die Lebenssituation aller Bürgerinnen und Bürger verbessert, ist Frieden. Ohne Frieden in der Ukraine und in Moldau wird die Erweiterung nicht erfolgreich sein können. So verstehe ich die geostrategische Investition als Auftrag an den Friedensnobelpreisträger EU. Da es auch für mich die letzte Rede ist hier im Europäischen Parlament: Ich danke allen für die Zusammenarbeit. Machen wir die Erweiterung zum gemeinsamen Anliegen aller Bürgerinnen und Bürger.