20
Mai
2026
Ansehen
Rekrutierung von Kindern durch die organisierte Kriminalität (Aussprache)
Frau Präsidentin, Herr Kommissar, das organisierte Verbrechen rekrutiert jetzt mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung. Ein 14-Jähriger erhält eine Nachricht auf Instagram: ein einfaches Geldversprechen, einige risikofreie Lieferungen. So beginnt heute die kriminelle Rekrutierung von Minderjährigen. Nicht mehr auf der Straße, sondern auf unseren Bildschirmen. Die Methoden haben sich grundlegend verändert: Schneller, diffuser, unsichtbarer. Soziale Netzwerke, verschlüsselte Nachrichten, Online-Spielumgebungen… Diese Räume, in denen unsere Kinder täglich leben, sind zu Jagdgründen für das organisierte Verbrechen geworden. Wir haben es mit digitalisierter und "uberisierter" Kriminalität zu tun: Sofortige grenzüberschreitende Koordinierung, fragmentierte Aufgaben, groß angelegte Rekrutierung. Ein echter Verbrechen as a Service. Die Eskalation ist real. Was mit einem Umschlagtransport beginnt, kann stufenweise zu extremer Gewalt führen. Kinder, die manchmal kaum die Grundschule verlassen hatten, wurden als Aufpasser, als Schleuser und dann als Ausführende rekrutiert. In mehreren Mitgliedstaaten wurden junge Minderjährige in organisierte Tötungsdelikte verwickelt. Die organisierte Kriminalität nutzt ihre Jugend aus: Sie sind formbar, aus Angst loyal und strafrechtlich weniger exponiert. Hier liegt unsere Verantwortung: Prävention verstärken, in digitale Bildung investieren, mit Plattformen zusammenarbeiten und sie zur Rechenschaft ziehen. Aber wir müssen auch zugeben, dass wir nicht mehr nur von Kleinkriminalität sprechen. Es braucht mehr Mittel, insbesondere für Europol, denn Kinder heute zu schützen bedeutet auch, sie vor denjenigen zu schützen, die ihre Unschuld zu einer Waffe machen.