12
Mär
2024
Ansehen
Europäisches Medienfreiheitsgesetz (Aussprache)
Herr Präsident! Ein europäisches Medienfreiheitsgesetz muss einige Erwartungen erfüllen: Medienfreiheit konsequent verteidigen – egal, ob online oder offline–, Journalistinnen und Journalisten schützen und Medienvielfalt ermöglichen. Das ist nur bedingt gelungen. Bei Maßnahmen zur Sicherstellung der Unabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Medien fällt der Text hinter den Kommissionsvorschlag zurück. Beim Schutz von Journalistinnen und Journalisten gibt es zwar Fortschritte, aber immer noch zu viele Schlupflöcher, die diesen Fortschritt Makulatur werden lassen könnten. Es darf nicht sein, dass Journalistinnen und Journalisten ausgespäht oder festgenommen werden, nur weil sie ihren Job machen. Onlineplattformen aus den USA oder gar China können am Ende immer noch nach ihren eigenen Regeln entscheiden, welche von anerkannten Medienanbietern professionell erstellten Inhalte wir sehen dürfen und welche nicht. Ich finde, das ist absurd. Zudem missachten wir unsere eigenen Regeln. Zu Recht verlangen wir von den Mitgliedstaaten die Unabhängigkeit und Staatsferne der nationalen Aufsichtsstellen, um gleichzeitig mit dem Europäischen Medienfreiheitsgesetz das neu geschaffene Gremium der nationalen Medienaufsichtsstellen unmittelbar in der Kommission anzusiedeln, die dann auch noch das Personal bestimmt. Wir machen damit die Tür weit auf, die Kommission als eine europäische Medienaufsicht zu etablieren, eine Aufgabe, die ihr schlicht nicht zusteht und allen bisherigen Regeln widerspricht, denn die Kommission ist weder unabhängig noch ist sie staatsfern. Alles in allem: Ja, es gibt Fortschritte; der Text kann aber – aus meiner Sicht – den hohen Ansprüchen, die wir alle an Medienfreiheit und Pluralismus als Grundvoraussetzung für das Funktionieren unserer Demokratie stellen sollten, nicht wirklich gerecht werden.