Richtlinie hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Nachhaltigkeitsberichterstattung ist sinnvoll, nicht nur für das Klima und die Umwelt, sondern auch aus der Perspektive der Unternehmen, die nachweisen können, dass sie nachhaltig wirtschaften. Bauchschmerzen bereiten mir jedoch zwei Umstände. Erstens: Gerade unsere mittelständischen Unternehmen werden zurzeit echt überfordert: Taxonomie, Entwaldungsverordnung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Lieferkettengesetz. All diese gut gemeinten Vorschläge bringen neue bürokratische Auflagen mit sich. Die Unternehmen müssen dokumentieren, sie müssen nachweisen, belegen, informieren, und das gerade in einer Zeit, in der jeder Betrieb durch Energiepreissteigerungen, Inflation, Lieferkettenengpässe und Fachkräftemangel ungemein herausgefordert wird. Das ist wirklich für die Unternehmen fast nicht zu schaffen. Deshalb fordere ich die Kommission mit allem Nachdruck auf, Frau Kommissarin, bitte bei den Standards, die nun für die Nachhaltigkeitsberichterstattung erarbeitet, entwickelt werden, den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ernst zu nehmen und kleine und mittelständische Unternehmen nicht überproportional zu belasten. Man kann bei den Berichtspflichten einen Mittelständler einfach nicht mit einem Großkonzern gleichsetzen.
Vorbereitung der Tagung des Europäischen Rates vom 20./21. Oktober 2022 (Aussprache)
Frau Präsidentin, Herr Vizepräsident der Kommission, Herr Minister, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Seit Beginn des brutalen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine begleitet uns die Frage: Welche Maßnahmen können wir ergreifen, damit Energie in Europa bezahlbar bleibt und die Häuser im anstehenden Winter nicht kalt werden? Ich denke, unsere Menschen und Betriebe erwarten konkrete Antworten von uns. Ich freue mich, dass endlich Vorschläge der Kommission hierzu auf dem Tisch liegen, um Verbraucher und Haushalte zu entlasten. Einige von diesen Maßnahmen aber sind längst überfällig, beispielsweise der Vorschlag zum gemeinsamen Einkauf von Gas. Endlich ist er da – letztlich acht Monate zu spät. Aber wenn wir einen Überbietungswettbewerb beim Einkauf von Gas unter den Mitgliedstaaten verhindern wollen, dann brauchen wir da eine gemeinsame Aktion auf europäischer Ebene. Das Gleiche gilt für die Deckelung des Gaspreises. Was aber jetzt auch noch ganz, ganz dringend kommen muss, ist, unsere Betriebe zu entlasten. Wettbewerbsfähigkeit soll gestärkt werden. Die Kommissionspräsidentin hat heute hierzu ja den einen oder anderen Vorschlag gemacht. Ich glaube, es ist wichtig, alles auf den Prüfstand zu stellen. Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir in einer Art Kriegswirtschaft leben, und deshalb ist es wichtig, die wichtigen Dinge zuerst zu machen und das eine oder andere Dossier und Thema vielleicht auch erst nächstes Jahr anzugehen. Priorisieren ist das, was notwendig ist. Wir haben schon genug Zeit verloren, und ich denke nochmals: Unsere Menschen haben Antworten von uns verdient.
Die Rechnungen niedrig halten: soziale und wirtschaftliche Folgen des Krieges in der Ukraine und Einführung einer Steuer auf Zufallsgewinne (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Kommission, verehrte Ratsvertreter, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der Winter steht vor der Tür. Viele Haushalte und Betriebe fragen sich: Wie kann ich meine Strom-, meine Gasrechnung noch bezahlen? Wie komme ich mit den hohen Lebenshaltungskosten zurecht? Es ist von vielen Kollegen schon gesagt worden: Wertvolle Zeit ist vergeudet worden. Aber jetzt haben wir endlich Vorschläge der Kommission auf dem Tisch – spät, aber, wie gesagt, es liegt was auf dem Tisch: Solidarabgabe, Erlösabschöpfung beim Strom, Gaspreisbremse, gemeinsamer Einkauf von Gas, neuer Benchmark für FFT, also einiges ist jetzt auf dem Tisch. Ich möchte heute meine Redezeit nutzen, um die Mitgliedstaaten aufzufordern, doch endlich hier tätig zu werden, und um auch in Richtung der Ratspräsidentschaft noch einmal zu bitten, den Mitgliedstaaten endlich auf die Finger zu klopfen. Bislang hat jedes Land, jeder Mitgliedstaat sein Ding gemacht. Wir sind weit davon entfernt, liebe Kolleginnen und Kollegen, einen europäischen Energiebinnenmarkt zu haben. Aber wenn wir die Probleme in den Griff kriegen wollen, dann müssen wir gemeinsam handeln, was auch heißt, dass wir alle verfügbaren Ressourcen, die wir im Lande haben, zur Energieerzeugung nutzen müssen.
Ein Ansatz der EU für das Weltraumverkehrsmanagement – Ein Beitrag der EU zur Bewältigung einer globalen Herausforderung (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die Zeitenwende in Europa ist auch eine besondere Zeitenwende für die europäische Raumfahrt. Russland hat bekanntermaßen Ende Februar 2022 die Zusammenarbeit in der Raumfahrt mit Europa aufgekündigt. Dies hat natürlich auch für uns in Europa gravierende Auswirkungen. Ich denke, es ist jetzt wirklich an der Zeit, dass wir uns in diesem Bereich resilient und zukunftsfähig aufstellen. Es gibt immer mehr Unternehmen im Bereich des New Space, die großes Potenzial haben. Viele junge und noch kleine Unternehmen sind in Deutschland, aber auch in allen anderen europäischen Ländern dabei, sich auch auf internationaler Ebene einen Namen zu machen. Allein im New Space-Bereich wird geschätzt, dass der Markt bis zum Jahre 2040 auf bis zu 2 700 Millionen wachsen wird. Ich denke, es ist daher dringend notwendig, dass wir hier diese kleinen mittelständischen Unternehmen auch auf europäischer Ebene massiv unterstützen. Als Europäische Union sollte es unser Anspruch sein, im globalen Wettbewerb eine zentrale Rolle einzunehmen und vor allen Dingen einen sicheren, autonomen Zugang zum Weltraum und zur Nutzung des Weltraums zu gewährleisten. Ich würde daher gerne die Kommission heute fragen – und Herr Kommissar hat ja hierzu schon einiges ausgeführt: Wie wird die Kommission im Hinblick auf die Ausarbeitung des Space Traffic Management vor allen Dingen bürokratische Hürden, gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, abbauen, damit in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit gerade dieser Unternehmen und auch der großen Player hier in diesem Markt, die in Europa ihren Sitz haben, gegeben bleibt?
Russlands Eskalation seines Angriffskriegs gegen die Ukraine (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Europäischen Kommission, Herr Ratsvertreter, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Russische Teilmobilisierung, nukleares Säbelrasseln, unrechtmäßige Annexion der besetzten Gebiete: Putin führt einen immer aggressiveren Angriffskrieg. Die Ukraine verteidigt sich tapfer, kämpft für sich selbst, aber auch für unsere Interessen und braucht weiter unsere volle Unterstützung. Ich begrüße, dass an einem achten Sanktionspaket jetzt gearbeitet wird. Der Krieg trifft aber auch uns in der Europäischen Union massiv. Wir müssen alles unternehmen, um die explodierenden Energiepreise in den Griff zu bekommen. Haushalte können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, die horrenden Strom- und Gaspreise treiben unsere Betriebe in die Insolvenz. Ich begrüße die beschlossenen Notmaßnahmen der Energieminister. Sie sind ein wichtiger erster Schritt, aber sie müssen jetzt auch schnell und unbürokratisch umgesetzt werden, und es müssen noch weitere Maßnahmen folgen. Wir brauchen erstens eine Gaspreisbremse, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Die Gaspreisbremse löst nicht alle Probleme, aber sie schafft Luft, um das Angebot hier etwas hochzufahren. Wir brauchen zweitens einen gemeinsamen Einkauf von Gas und Flüssiggas, und wir müssen unser Strompreisindex-System überarbeiten, wie die aktuelle Situation gezeigt hat.
Umsetzung der aktualisierten neuen Industriestrategie für Europa: Anpassung der Ausgaben an die Politik (Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Zunächst ein herzliches Dankeschön an unseren Berichterstatter Tom Berendsen, der einen exzellenten Bericht zur Industriestrategie für Europa vorgelegt hat und der vor allen Dingen auch ganz klar in dem Bericht formulierte, dass das, was wir machen müssen, ist, Wertschöpfung in Europa zu erhalten. Unsere ganze Industriepolitik muss darauf ausgerichtet sein, dass wir die Arbeitsplätze hier vor Ort sichern. Er hat zu Recht formuliert – und zwei Dinge möchte ich jetzt in meiner kurzen Rede hervorheben –, dass wir vor allen Dingen die dramatischen Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die europäische Industrie bei dem, was wir auch auf europäischer Ebene jetzt machen können, berücksichtigen müssen. Und da kann ich nur sagen: Das Wichtigste ist, dass wir unsere Betriebe und unsere Unternehmen entlasten, entlasten, entlasten, wegkommen von vielen bürokratischen Auflagen, die die Betriebe momentan zu schultern haben. Unsere Betriebe kämpfen ums Überleben, Insolvenzen sind an der Tagesordnung, Produktionen werden zurückgefahren. Wir müssen entlasten, wo wir nur entlasten können, und unterstützen, auch mit Blick auf eine Senkung der Stromsteuern, der horrenden Preise, die auch mit Blick auf Rohstoffbeschaffung, mit Blick auf Energieversorgung da sind. Das muss das Gebot der Stunde sein. Ich begrüße, dass die Kommission gestern angekündigt hat, dass sie in die Richtung auch arbeiten wird, dass wir uns vor allen Dingen auch resilienter machen müssen und in der Europäischen Union diversifizieren müssen. Das muss auch das Ziel unserer Außenpolitik sein, dass wir hier auch Zugang zu seltenen Rohstoffen hier organisieren. Das ist unsere Aufgabe in der Europäischen Union.
Frau Präsidentin, Frau Kommissionspräsidentin, Herr Ratsvertreter, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die Ukraine benötigt weiterhin unsere maximal mögliche Unterstützung. Frau Präsidentin, Sie sagten: „It is time to support, not for appeasement.” Ich kann das nur unterstützen. Aber auch unsere Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen trifft der Krieg ins Mark: hohe Inflation, horrende Energiepreise, Haushalte haben keinen Spielraum mehr, Betriebe fahren ihre Produktionen zurück, Insolvenzen sind an der Tagesordnung. Ich denke, zwei Sachen sind notwendig. Erstens: In Zeiten von Angebotsverknappung müssen wir alles an Kapazitäten, an Ressourcen hochfahren. Das gilt für unsere Energieversorgung genauso wie für unsere Lebensmittelversorgung. Und zum Zweiten: Entlasten statt belasten ist das Gebot der Stunde, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich habe vernommen, dass es ein SME-Paket geben soll. Ich sage mal: Die Worte hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Ich nehme wahr, dass die Maschinerie in der Kommission ungeschminkt, ungebremst weiterläuft. Business as usual ist an der Tagesordnung. Ich freue mich auf die konkreten Vorschläge. Was wird wann zurückgezogen? Ziel muss sein, Wertschöpfung bei uns hier in Europa zu halten und zu verhindern, dass andere Regionen in der Welt davon profitieren, dass es Kriege in Europa gibt.
Herr Präsident, Frau Kommissarin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir wollen ja bis 2050 Klimaneutralität in der Europäischen Union erreichen. Klimaschutz geht aber nur mit Versorgungssicherheit, Energieeffizienz und Bezahlbarkeit einher. Und deswegen halte ich es mit Blick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien für falsch, die Nutzung von Wasserkraft und von forstlicher Biomasse durch strenge Vorgaben unrentabel zu machen. Im Gegenteil: Energie aus Waldholz muss auch weiterhin als erneuerbare Energie anerkannt werden – also das, was der Kollege Tiemo Wölken da gesagt hat, teile ich überhaupt nicht. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes ist essenziell für den dringend notwendigen Waldumbau und unser Ziel der Klimaneutralität. Wir brauchen starke Wälder, die als CO2-Senken ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Das Gleiche gilt für die Wasserkraft. Wasserkraft ist eine erneuerbare Energie, die stets verfügbar, flexibel regelbar und netzstabilisierend ist. Wir müssen alles machen, um auch die Wasserkraft zu stärken und nicht durch enge Vorgaben hier der kleinen Wasserkraft in Europa den Garaus zu machen.
Herr Präsident, Herr Kommissar, Herr Ratspräsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Entwaldung und Waldschädigung muss unbedingt mit allen Möglichkeiten bekämpft werden. Unsere Wälder auf der ganzen Welt sind unsere grünen Lungen. Wir müssen sie unbedingt schützen. Sie leisten als CO2-Senken einen wertvollen Beitrag für unser Klima, wenn sie auch nachhaltig bewirtschaftet werden. Die Verordnung sieht umfangreichste Sorgfalts- und Dokumentationspflichten vor. Die Marktteilnehmer und die Händler werden ja in die Pflicht genommen, auch hier Risikobewertungen vorzunehmen. Ich möchte nur eine kritische Anmerkung machen: Ich glaube, dass wir das mit diesen vielfältigen Auflagen und Verpflichtungen gerade für diejenigen, die importieren und die hier am Handel teilnehmen, nicht übertreiben dürfen. Wir wollen ja nicht ein umfangreiches Compliance-System aufbauen, sondern wir wollen das Problem an der Wurzel packen. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir auch weiterhin über Alternativen und über andere Maßnahmen nachdenken müssen – der Kollege Lins hat ja einiges angesprochen. Also das ist ein Vorschlag, der hoffentlich mit Augenmaß auch morgen bei der Abstimmung dann bewertet wird. Aber ich denke, es ist nicht der einzige Weg, und wir sollten auch noch an Alternativen weiterarbeiten.
Bessere Rechtsetzung: Mit vereinten Kräften für bessere Rechtsvorschriften (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Kommission, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Bessere Gesetzgebung ist ja für uns im Europäischen Parlament seit Jahren ein Herzensanliegen, und deshalb ein Dankeschön an unseren Berichterstatter, der einen hervorragenden Bericht vorgelegt hat. Ich möchte eine Initiative herausgreifen, die für mich besonders wichtig ist, für die ich mich auch stark gemacht habe: Ich finde, das Wichtigste ist, dass auch die Webseiten, in denen unsere Bürgerinnen und Bürger, unsere Unternehmen über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten der Europäischen Union informiert werden, in allen Amtssprachen zur Verfügung gestellt werden. Ich weiß, dass die Kommission daran arbeitet. Herr Vizepräsident, ich bitte Sie noch einmal nachdrücklich, das bis Ende des Jahres – so war es ja wohl angedacht – umzusetzen. Ich finde, das ist ein Gebot der Fairness, dass eben auch nicht englischsprachige Bürgerinnen und Bürger wissen, was sie an Fördermöglichkeiten, an Finanzierungsmöglichkeiten haben. Wir haben Milliardenprogramme, die wir auflegen, und deshalb, glaube ich, ist es ein Gebot der Fairness, auch in allen Amtssprachen darüber zu informieren.
Schlussfolgerungen der Tagung des Europäischen Rates vom 23./24. Juni 2022 (Fortsetzung der Aussprache)
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Kommission – der Ratspräsident hat hier schon das Parlament verlassen, sehr interessant –, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der Ukraine und Moldau den Kandidatenstatus zu verleihen, ist richtig gewesen, ist ein großer, ein wichtiger Meilenstein. Wir im Parlament haben das ja auch als Erste gefordert, und auch die Ukraine und Moldau weiter zu unterstützen, wie das ja vorgesehen ist, ist genau richtig. Es ist aber inakzeptabel, dass die Westbalkanstaaten schon so lange auf die EU-Beitrittsgespräche warten müssen und wir letztlich immer noch kein Stück vorangekommen sind. Wir haben gerade beim letzten Gipfel, glaube ich, in dieser Region sehr, sehr viel Vertrauen verloren. Wie kann es sein, dass die EU nach 15 Jahren Nordmazedonien immer noch warten lässt? Wie kann es sein, dass die Beitrittsgespräche mit Albanien immer wieder verschoben wurden, obwohl Albanien doch schon seit 2010 Beitrittskandidatenstatus hat? Da ist einfach viel zu wenig passiert, und das Übel ist natürlich die Einstimmigkeit im Rat. Genau da müssen wir ansetzen, und deshalb ist es richtig gewesen, dass wir die Einrichtung eines Konvents gefordert haben, um endlich auch zu Vertragsänderungen zu kommen, um endlich für die großen, wichtigen Entscheidungen, gerade die außenpolitischen Fragen, von der Einstimmigkeit wegzukommen. Das geht nur mit Vertragsänderung, nur mit Konvent.
Verbindliche nationale Jahresziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen (Lastenteilungsverordnung) - Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) - CO2-Emissionsnormen für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge (gemeinsame Aussprache – Fit für 55 (Teil 2))
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Europäischen Kommission, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich spreche zum Thema CO2‑Emissionsstandards für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Und ich habe zwei Ansagen. Erstens: Ich glaube, dass die Elektroautos eine gute Zukunft haben. Entscheidend dafür ist, dass die Ladeinfrastruktur aufgebaut wird, zur Verfügung gestellt wird. Ich bin überzeugt davon, wenn das der Fall ist, flächendeckend in der Europäischen Union, dann wird das Elektroauto ein Selbstläufer. Zweitens: Ich bin entschieden gegen ein Aus für den Verbrennungsmotor 2035. Ich glaube, Technologieneutralität ist das Gebot der Stunde. Ich sehe eine Zukunft auch für alternative Kraftstoffe, synthetische Kraftstoffe, für Wasserstofftechnologie. Ich denke, nicht wir Abgeordnete sollten entscheiden, welche Technologie sich am Markt durchsetzt, sondern ich denke, es ist viel, viel Potenzial noch da in Sachen Innovation, in Sachen wissenschaftliche Weiterentwicklung. Und wir sollten hier auch andere Technologien nicht von vornherein ausschließen. Und wir sollten auch ehrlich sein und eine Lebenszyklus-, eine Life-Cycle-Bewertung vornehmen und nicht immer nur die CO2-Emissionen am Auspuff messen.
Der REPowerEU-Plan: Europäische Solidarität und Energiesicherheit angesichts der Invasion der Ukraine durch Russland, einschließlich der aktuellen Unterbrechungen der Gaslieferungen an Polen und Bulgarien (Aussprache)
Herr Präsident! Frau Kommissarin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Verminderung unserer Exportabhängigkeit von Russland ist das Gebot der Stunde. Insofern begrüße ich auch den Vorschlag, den die Kommission jetzt im Rahmen von REPowerEU vorgelegt hat. Erfreulich ist in diesem Vorschlag, dass es gute Ideen zur Finanzierung der ambitionierten Pläne gibt. So sollen Synergien und Flexibilität zwischen den bereits existierenden EU-Fördertöpfen und dem EU-Aufbaufonds genutzt werden. Ich denke, das ist richtig, dass wir hier vorhandene Mittel ausnutzen, die nicht abgerufen sind, und nicht neue Schulden für die Projekte aufnehmen. Priorität für uns muss sein, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Unsere Bürgerinnen und Bürger müssen ihre Energierechnungen weiterhin bezahlen können. Nur dann hat der beschleunigte Wandel die Chance, auch breit akzeptiert zu werden. Kleinen und mittelständischen Betrieben dürfen wir durch bürokratische Auflagen nicht die Luft zum Atmen nehmen. Ich sage auch deutlich: Wir müssen hinschauen, warum der beschleunigte Wandel zu langsam vonstattengeht, zum Beispiel bei Fotovoltaikanlagen. Da ist nicht das Problem, dass es kein Geld gibt, sondern es fehlt an Material, und es fehlt an Fachkräften, die die Fotovoltaikanlagen aufbauen. Also bei den weiteren Beratungen zu „Fit für 55“ und zu REPowerEU bitte auch die gegebenen Realitäten berücksichtigen!
Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine auf die Gesellschaft und die Wirtschaft in der EU – Stärkung der Handlungsfähigkeit der EU (Aussprache)
Herr Präsident, Herr Kommissionsvertreter, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! 70 Tage dauert dieser fürchterliche Krieg nun schon, der so unendliches Leid und Zerstörung bringt. Ich denke, wir müssen wirklich alles machen, um diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden. Und damit ist es auch notwendig, den Druck auf Putin wo immer möglich zu erhöhen. Ich begrüße ausdrücklich das sechste Sanktionspaket. Ich glaube, es ist ein wuchtiger Aufschlag – zum einen, dass die Sberbank jetzt auch vom SWIFT-Zahlungssystem ausgeschlossen wird, und das Ölembargo, so wie es jetzt vorgesehen ist, ist, glaube ich, der richtige Schritt. Natürlich müssen wir uns überlegen, welche Auswirkungen, Konsequenzen diese fürchterliche Situation in der Ukraine auch auf uns hat; und da bin ich bei der Vorrednerin, ehrlich gesagt. Jeder ist betroffen, wir haben Preisexplosionen ohne Ende, die Energiepreise steigen, wir haben eine riesige, galoppierende Inflation, und wir müssen auch auf europäischer Ebene, finde ich, noch weit mehr machen und reagieren. Das Leben unserer Bürgerinnen und Bürger in der ganzen Europäischen Union muss bezahlbar bleiben. Ich denke, die Mitgliedstaaten haben da eine große Verantwortung, haben auch schon viel unternommen: Mehrwertsteuer runter, Abgaben runter, Zuschüsse geben, wo es notwendig ist. Ich glaube, das ist in dieser Krisensituation wirklich erforderlich. Ich denke, wir müssen auch noch einmal überlegen, wo wir Mittel umstrukturieren können, um vor Ort zu unterstützen und zu helfen. Und auch der Europäischen Zentralbank kommt eine wichtige Aufgabe zu. Also, Preisstabilität ist die Aufgabe der EZB, und sie muss ihrer Verantwortung jetzt wirklich mal gerecht werden und auch an der Zinsschraube drehen, wie das auch die Fed in den USA gemacht hat. Wir müssen unsere Unternehmen, unsere Betriebe, vor allem unseren gesunden Mittelstand entlasten, wo wir ihn nur entlasten können. Wir müssen sicherstellen, dass die Versorgungssicherheit garantiert wird – es ist angesprochen worden – mit Blick auf die Stabilisierung unserer Energieversorgung, Rohstoffe, Lebensmittel. Da ist ja schon einiges passiert, dass Brachflächen jetzt auch bewirtschaftet werden können, und ich glaube, das ist genau der richtige Weg, und in dem Sinne müssen wir weitermachen. Also bitte, Kommission, auch den Blick auf unsere Situation vor Ort hier in der Europäischen Union lenken.
Künstliche Intelligenz im digitalen Zeitalter (Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Künstliche Intelligenz kann eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaft sein. Heute stellen wir ja schon fest, dass künstliche Intelligenz im Alltag ganz vielfältig im Einsatz ist: Bei Musikstreaming -Plattformen beispielsweise wird künstliche Intelligenz eingesetzt, bei Onlinesprachübersetzern ist künstliche Intelligenz im Einsatz. Allein wenn Sie in die Medizin schauen: Welche Fortschritte gibt es im diagnostischen Bereich durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Big Data! Bilddaten werden ausgewertet, Krankheitsmuster werden frühzeitiger erkannt. Auch für den Klimaschutz gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, Geodaten zu nutzen. Die Landwirtschaft kann mithilfe von KI-Systemen hier gezielter arbeiten, und auch im Haushalt: Was es da an Effizienzsteigerungen geben kann – ungemein. Es ist ganz, ganz wichtig, dass wir uns mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ beschäftigen. Künstliche Intelligenz ist die Zukunft und hat ein riesengroßes Potenzial. Aber: Wo es Chancen gibt, gibt es meist auch große Risiken. Ich sage immer: Fluch und Segen zugleich. Das Thema „Social Scoring“ ist beispielsweise angesprochen worden, die Angst davor, dass doch auch mithilfe von KI-Systemen hier flächendeckende Überwachungen durchgeführt werden, sei es im Arbeitsbereich oder sonstwo. Deshalb, glaube ich, müssen wir uns gut überlegen, wie wir hier Regulatorik auch künftig gestalten. Ich denke, für uns als Europäer ist es wichtig, dass bei allem, was wir in Sachen Regulierung jetzt überlegen – und die Vorschläge liegen ja auf dem Tisch –, die digitalen Technologien immer dem Menschen dienen müssen. Also der Mensch muss bei uns bei der Frage, wie hier reguliert wird, im Mittelpunkt stehen. Das ist das Allerwichtigste, damit wir Diskriminierung und anderes verhindern. Ich möchte dem Kollegen Axel Voss für seinen großartigen Bericht danken und allen Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Sonderausschuss wirklich über viele Monate sich mit den vielfältigsten Fragen in Sachen KI-Einsatz beschäftigt haben. Und ich freue mich jetzt auch auf die weiteren Diskussionen und Debatten, wenn es dann um die konkreten Regulierungsvorschläge geht. Ich glaube, wir Europäer können hier wirklich eine weitere Duftmarke setzen und in diesem digitalen Umfeld hier doch eine Regulierung schaffen, die am Ende des Tages unseren Bürgerinnen und Bürgern in ganz Europa dient.
Frau Präsidentin! Ein herzliches Dankeschön auch an alle, die sich an der Aussprache heute beteiligt haben. Und ich möchte meine zwei Minuten auch noch nutzen, um mich zu bedanken. Monsieur le Commissaire, cher Thierry Breton, merci. Merci beaucoup pour tout ce que vous avez fait aussi pour présenter cet acte. Und dann möchte ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen Schattenberichterstattern noch einmal bedanken. Es hat viel Freude gemacht, hier an diesem Dossier gemeinsam zu arbeiten. Danke auch den Kolleginnen und Kollegen der mitberatenden Ausschüsse. Auch da ist viel Input geliefert worden, der sehr hilfreich war für dieses Dossier. Und auch noch mal all denen, die sich jetzt heute hier im Plenum geäußert haben, ein herzliches Dankeschön. Auch unserem Vorsitzenden des ITRE-Ausschusses, Cristian-Silviu Buşoi, möchte ich danken, der ja auch die letzte Verhandlungsrunde so geleitet hat, dass wir spätnachts zum Abschluss kamen. Für mich ist noch einmal wichtig, zu betonen – es ist von einigen Kollegen angesprochen worden: Dieses Daten-Governance-Gesetz ist ein Puzzlestück in einem großen Puzzle, an dem wir zurzeit arbeiten. Datengesetz, die KI-Gesetzgebung, all das wird ja kommen, ist in der Beratung. Ich glaube, wichtig war, die Balance richtig zu finden zwischen – zum einen – Daten nutzbar machen, aber auf der anderen Seite eben den Datenschutz auch hochzuhalten. Da war ich sehr dankbar, auch für Anregungen der Kollegen Sergey Lagodinsky, Damian Boeselager und von vielen anderen, die das auch immer wieder betonten. Ich glaube, wir haben wirklich die Chance, ein Schengen für Daten zu machen. Auch das ist angesprochen worden. Und ich kann nur sagen: Wenn wir jetzt diesen Weg gut weitergehen, dann hoffe ich, dass wir es wirklich auch schaffen, einen Rahmen zu geben, dass wir hier in Europa in ein paar Jahren sagen können: Wir haben unsere Mittelständler, unsere kleinen mittelständischen Unternehmen gestärkt, wir haben unsere Gesellschaft gestärkt, wir haben dafür Sorge getragen, dass die Daten, die wir von 440 Millionen Bürgerinnen und Bürgern hier haben, die ein Riesenasset sind, auch bei uns in der Europäischen Union nach unseren Vorstellungen, nach unseren Regeln, nach unserem europäischen Geist hier nutzbar gemacht werden. Und darauf freue ich mich. Vielen Dank für alles, und auf weiterhin gute Zusammenarbeit hier in diesem Hause. Wenn wir zusammenhalten, dann sind wir auch ganz stark als Europäisches Parlament.
Frau Präsidentin, Herr Kommissar Breton, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir erleben aktuell eine Zeitenwende, ausgelöst durch diesen fürchterlichen, schrecklichen Krieg in der Ukraine. Coronakrise und Klimapolitik stehen gerade nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, und das gilt auch für die Digitalpolitik. Aber dennoch erleben wir auch in der Daten- und Digitalpolitik eine überfällige Zeitenwende, die mit der Verabschiedung des Daten-Governance-Gesetzes heute ihren Anfang nimmt. Um ehrlich zu sein – Bestandsaufnahme: Europa hat die Geburtsstunde der Online-Plattformökonomie und die damit verbundene Revolution der Nutzung persönlicher Daten verschlafen. Wir haben es den großen US-amerikanischen Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon überlassen, die als Innovatoren der ersten Stunde auch heute die digitale Welt dominieren. Aber mit der europäischen Datenstrategie, die ja schon bereits 2020 vorgestellt wurde, sind wir in der Europäischen Union angetreten, nicht nur das Spielfeld in der digitalen Welt zu begradigen, sondern die Spielregeln grundlegend zu ändern. Das Daten-Governance-Gesetz, über das wir jetzt beraten und heute Mittag abstimmen werden, ist dabei der Anfang eines Paradigmenwechsels, der notwendig ist, um eine wachsende, innovative europäische Datenwirtschaft als Gegenentwurf zu den Herangehensweisen in den USA oder China aufzubauen. In den USA sind Daten, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Big Business. Die Organisation des Datenraums bleibt dort nahezu komplett dem Privatsektor überlassen, was auch zu diesen beträchtlichen Konzentrationseffekten geführt hat. In China sind Daten quasi Staatseigentum. China hat eine Kombination aus staatlicher Überwachung und großen Tech-Unternehmen, die riesige Datenmengen weitgehend alleine kontrollieren. Und wir hier in Europa? Wir gehen einen anderen Weg. Bei uns steht der Nutzer im Zentrum. Das haben wir auch schon gesehen, als wir über viele Jahre die Datenschutz-Grundverordnung diskutiert haben, um die Rechte der Nutzer im Besonderen hier zu schützen. Für Europa tut sich also hier eine gewaltige Chance auf, sich – ich würde mal sagen – digitalwirtschaftlich zu emanzipieren, unseren eigenen europäischen Weg zu gehen. Den brauchen wir, weil die Stärke auch unserer Datenwirtschaft in Europa getrieben wird durch kleine und mittelständische Unternehmen, durch Startups, denen wir eine Chance geben müssen. Das Ziel, das das Daten-Governance-Gesetz verfolgt, ist, Datensilos zu sprengen, Daten teilen, Daten-Sharing einfacher zu machen, Daten für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft leichter nutzbar zu machen. Deshalb schaffen wir mit dem Daten-Governance-Gesetz den Rahmen, damit neutrale Datenmittler in der Europäischen Union ihre Dienste anbieten können. Datenmittler, die mit den ihnen anvertrauten Daten keine eigenen wirtschaftlichen Zwecke verfolgen, wie das die anderen großen Plattformbetreiber machen, sondern diese Datenmittler sind nur dafür zuständig, diese ihnen anvertrauten Daten zu aggregieren, zu verfeinern, so aufzubereiten, dass andere eben mit diesen zur Verfügung gestellten Daten gut arbeiten können. Wir glauben, dass wir dadurch ein vertrauenswürdiges Umfeld schaffen, das faires Daten-Sharing möglich macht, und hoffen sehr, dass das auch dann in der Praxis so angenommen wird. Ich möchte schließen mit einem ganz herzlichen Dankeschön an die Kolleginnen und Kollegen, die über viele Monate – ich sehe sie alle hier vor mir – intensiv dieses Dossier mitberaten haben. Ich danke für die gute Zusammenarbeit, und ich glaube, dass das, was uns auch als Europäisches Parlament bei diesem Dossier besonders wichtig war, wir nur durchsetzen konnten in den zähen Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten und mithilfe der Kommission, weil wir so geschlossen waren. Wir haben einen trennscharfen Anwendungsbereich jetzt definiert, der Rechtssicherheit schafft. Wir haben einen Europäischen Dateninnovationsrat gestärkt. Wir haben beschlossen, dass es ein gemeinsames EU-Logo für Datenmittlerdienste geben soll, einen European Single Access Point, von dem aus die Datensätze der Mitgliedstaaten auch grenzüberschreitend durchsucht werden können, und vieles mehr. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich bin stolz darauf, dass wir gemeinsam hier so zügig dieses Dossier durchberaten haben. Ich denke – und das ist mein letzter Satz –, die Datenrevolution wartet nicht auf Europa und wird sicherlich nicht durch Wunschdenken zustande kommen. Wir müssen jetzt handeln! Wir müssen jetzt alles unternehmen, um mit den auch noch anstehenden legislativen Vorschlägen den Datenraum so zu gestalten, dass unsere Bürgerinnen und Bürger möglichst viel davon haben, wie auch unsere Unternehmen, unsere Privatwirtschaft.
Schlussfolgerungen der Tagung des Europäischen Rates vom 24./25. März 2022 einschließlich der jüngsten Entwicklungen des Krieges gegen die Ukraine und der EU-Sanktionen gegen Russland und ihrer Umsetzung (Aussprache)
Frau Präsidentin, Herr Vizepräsident der Kommission, Herr Hoher Vertreter, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Der andauernde russische Angriffskrieg und das damit verbundene humanitäre Leid in der Ukraine erschüttern und entsetzen uns alle. Die Bilder aus Butscha, die uns am Wochenende erreichten, sind nicht zu ertragen. Die Kriegsverbrechen gegen unschuldige Menschen – Männer, Frauen, Kinder – müssen bestraft werden. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir müssen alles unternehmen, damit dieser Krieg so schnell wie möglich beendet wird. Das heißt für mich, dass wir wirklich alles tun müssen, was Putin mehr schadet als uns. Zwei Dinge darf ich ansprechen: Erstens begrüße ich den Vorschlag der Europäischen Kommission zu einem Importstopp von russischer Kohle. Gleichzeitig brauchen wir aber auch einen Importstopp von russischem Öl. Denn russische Exporte von Kohle und Öl sind beide gut substituierbar, und wir können mit diesen Embargos der russischen Regierung weiter zusetzen. Russische Banken, die im Öl- und Kohlehandel tätig sind, müssen ebenfalls vom SWIFT-System abgekoppelt werden. Ich freue mich, dass das auch in dem fünften Sanktionspaket jetzt so vorgesehen ist. Für mich ist aber auch klar: Sobald wir ein Gasembargo auch nur annähernd verkraften können, sollten wir dieses umsetzen. Momentan ist das noch nicht der Fall, aber ich hoffe sehr, wenn alle Mitgliedstaaten mit Nachdruck darauf hinarbeiten, dass wir hier unabhängiger werden, dass wir dann auch zeitig ein Gasembargo verhängen können. Zweitens müssen wir jetzt beginnen, eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur in der EU aufzubauen. Ich denke, gemeinsame Beschaffungen machen Sinn. Ich denke, Bündelung unserer Forschungsaktivitäten im Bereich Sicherheit und Verteidigung macht Sinn. Vorschläge gibt es genug. Wir hier im Europäischen Parlament haben dieses Thema oft diskutiert, haben Vorschläge erarbeitet und unterbreitet. Wir müssen jetzt ganz konkret hier den Aufbau einer gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungsunion angehen. Ich gestehe, dass ich hierzu von den Mitgliedstaaten konkrete, entsprechende Initiativen bislang vermisse, und würde mich freuen, wenn das jetzt auch endlich von den Staaten entsprechend hier angegangen wird.
Anstieg der Energiepreise und Marktmanipulationen auf dem Gasmarkt (Aussprache)
Herr Präsident, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Bereits vor der Invasion Russlands in die Ukraine bekamen unsere Bürgerinnen und Bürger sowie unsere europäischen Unternehmen die explodierenden Energiepreise zu spüren. Durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Situation weiter dramatisch verschlechtert. Gestern hat bei uns in Deutschland ein Liter Diesel mehr als 2 Euro gekostet. Wir müssen reagieren. Wir müssen sicherstellen, dass Energie bezahlbar bleibt und dass es in unseren Häusern in ganz Europa in Zukunft nicht kalt wird. Was können wir machen? Das erste Maßnahmenpaket der Europäischen Kommission vom Oktober war schon ganz gut, aber es reicht nicht aus. Ich begrüße, Frau Kommissarin, dass Sie heute ein zweites Paket – ein Tool-Paket – mit weiteren Vorschlägen vorgestellt haben, um die Haushalte zu entlasten wie auch unsere Betriebe. Ich denke, die Kommission muss zum Beispiel zulassen, dass die Energiesteuern, die von den Mitgliedstaaten erhoben werden, ganz ausgesetzt werden können, also nicht nur reduziert werden, sondern auch – in so einer dramatischen Situation – komplett ausgesetzt werden können. Und die Regierungen in den Mitgliedstaaten müssen natürlich auch ihre Hausaufgaben machen, müssen vor allen Dingen die Mehrwertsteuer auf den Strompreis heruntersetzen. Mein Land Deutschland ist hier gefordert. Die Bundesregierung hat das noch nicht gemacht. In vielen anderen Ländern hat man das schon veranlasst und damit sichergestellt, dass die windfall profits hier nicht in die Staatskassen gehen zulasten der Haushalte und der Unternehmen. Ich denke, der russische Angriffskrieg ist eine Zeitenwende für die Politik, und wir müssen auch das Thema Energiebesteuerung auf ganz neue Beine stellen. Deshalb freut es mich, dass der Maßnahmenkatalog jetzt vorliegt, und wir werden sicher konstruktiv daran arbeiten, dass es ein gutes Paket gibt.
Stärkung Europas im Kampf gegen Krebserkrankungen(Aussprache)
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Krebs ist eine schreckliche Krankheit, die fast jede Familie in Europa betrifft. 10 Prozent der Weltbevölkerung machen wir in Europa aus, aber ein Viertel aller Krebsfälle, die weltweit diagnostiziert werden, entfallen auf Patientinnen und Patienten in Europa. Ich denke, Krebs muss wirklich eine unserer obersten Prioritäten sein, aber es ist genauso mir persönlich ein Herzensanliegen, dass wir hier auch aus dem Parlament heraus Signale aussenden, dass wir alles machen als Politiker, was wir machen können, um den Krebs zu bekämpfen. Drei Gedanken hierzu: Erstens: Ich glaube, wir müssen massiv in die Forschung investieren, in das Thema Prävention, Diagnostik, Behandlung, Nachbetreuung der Betroffenen und der Familien. Zweitens: Ich denke, es ist ganz wichtig, auch in die Patientenorganisationen zu investieren. Also – was ich erlebe in meinem Land – die Patientenorganisationen leisten einen ganz, ganz wertvollen Beitrag in der Behandlung von Krebs, und die müssen wir stärken. Und drittens: Ich denke, Verbote für bestimmte Lebensstile sind nicht der richtige Weg. Pauschal Werbeverbote einzuführen für Alkohol bei Sportveranstaltungen oder auffällige Warnhinweise für Alkohol sind, glaube ich, der falsche Weg. Wir müssen natürlich den Alkoholmissbrauch bekämpfen. Aber wichtig ist dafür, dass wir vor Ort gerade gegenüber unseren Kindern und Jugendlichen Aufklärungsarbeit leisten, dass wir Präventionskampagnen fahren. Ich glaube, Vorbilder wirken weit mehr und überzeugen Jugendliche weitaus besser, als dass wir hier Verbote aussprechen.
Gesetz über digitale Dienste (Fortsetzung der Aussprache)
Herr Präsident, Frau Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger aus den USA, prognostizierte 1998, das Internet würde wohl kaum eine größere Bedeutung für die Wirtschaft erreichen als das Faxgerät. Wie sehr er sich doch irrte und danebenlag! Heute wissen wir: Das Internet hat nicht nur unsere Wirtschaft komplett verändert, sondern auch unser tägliches Leben, unsere Gesellschaft, unser Miteinander. Die Regeln allerdings, auf die man sich für dieses Wirtschaften und das Miteinander online berufen kann, sind immer noch aus der sogenannten digitalen Steinzeit, aus der auch Krugmans Prognose stammt: Die E-Commerce-Richtlinie ist über 20 Jahre alt. Die Internetkonzerne haben daher die vergangenen Jahre genutzt, um ihre eigenen Regeln aufzustellen und sie auch durchzusetzen – nicht immer zugunsten des fairen Wettbewerbs und der Demokratie. Und letztlich haben wir auch im europäischen digitalen Binnenmarkt einen Flickenteppich, weil einzelne nationale Regierungen angefangen haben, hier selbst regulatorisch vorzugehen. Es ist jetzt daher an der Zeit, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir hier den digitalen Raum mithilfe des Digital Services Act gestalten und ordnen, dass wir einen regelbasierten, sicheren digitalen Raum schaffen – im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger und im Interesse unserer Unternehmen, insbesondere auch der vielen kleinen, mittelständischen Firmen. In der Europäischen Union gibt es über 10 000 Online-Plattformen; 90 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen – auch die müssen faire Chancen im Netz haben. Ich denke, wenn wir es schaffen, morgen mit großer Mehrheit diesen Digital Services Act zu verabschieden – vielleicht müssen wir dann im Trilog auch noch etwas nacharbeiten –, dann haben wir die Chance, dass es uns so geht wie mit der Datenschutz-Grundverordnung: Vielleicht schaffen wir wieder einmal ein Stück Gesetzgebung, das federführend in der Welt ist, das gold standard ist, wie es schon von den Kolleginnen und Kollegen gesagt wurde. Darüber würde ich mich sehr freuen. Danke allen, die so engagiert daran gearbeitet haben. Und auch noch einmal ein „Danke“, ein „Alles Gute“ von meiner Seite an die Kollegin Gebhardt – Sie waren meine erste Schattenberichterstatterin bei meinem ersten Dossier vor vielen Jahren im Europäischen Parlament. Alles Gute für Ihren nächsten Lebensabschnitt!
Vorstellung des Tätigkeitsprogramms des französischen Ratsvorsitzes (Aussprache)
Frau Parlamentspräsidentin, Herr Staatspräsident, Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Gutes Gelingen zunächst der französischen Ratspräsidentschaft! Monsieur le Président, Sie sprachen vom Frieden als europäisches Versprechen. Frieden ist die größte Errungenschaft unserer Europäischen Union. Dafür brauchen wir ein starkes Europa, das einig ist, das ein verlässlicher Partner in der Welt ist. Aber daran fehlt es momentan noch. Wir haben keine einheitliche europäische Antwort auf Russlands Aggression an der ukrainischen Grenze. Ich glaube, die wichtigste oder eine der wichtigsten Aufgaben Ihrer Ratspräsidentschaft ist es, Geschlossenheit der 27 Mitgliedstaaten sicherzustellen. Die Mitgliedstaaten müssen sich im Verhältnis zu Russland auf eine Linie, auf einen Maßnahmenkatalog einigen. Nur dann werden wir in der Welt wahrgenommen, nur dann können wir eine Rolle spielen. Ich fand, es war beschämend, festzustellen, dass die USA und Russland über unsere europäischen Köpfe hinweg über die europäische Sicherheitsarchitektur verhandelt haben. Ein zweites Thema, das ich kurz ansprechen möchte, ist das Thema Nachhaltigkeit – auch ein Schwerpunkt Ihrer Ratspräsidentschaft. Nachhaltigkeit heißt für mich, nicht auf Kosten der nachfolgenden Generationen zu leben. Und damit meine ich auch unsere Finanzen. Wir dürfen den nachfolgenden Generationen nicht nur Schulden hinterlassen. Frankreich hat ein Staatsdefizit von 115 Prozent – eines der höchsten in der Eurozone. Ich glaube, wir müssen in der Europäischen Union und in der Eurozone wieder zu soliden Haushalten zurückkommen. Und ich warne vor der Lockerung des Stabilitätspaktes. Schulden auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder zu machen, ist der falsche Weg.
Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Fair Play muss auch in der digitalen Welt gelten. Daher brauchen wir ein starkes Schwert, um gegen Wettbewerbsverzerrungen, gegen wettbewerbswidriges Verhalten vorzugehen. Das geltende Wettbewerbsrecht reicht nicht aus, um für faire Regeln zu sorgen. Daher ist es sehr gut, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, dass die Verordnung über digitale Märkte auf dem Tisch liegt. Ich denke, wir brauchen auch einen starken digitalen Mittelstand. Das setzt voraus, dass Start—ups, dass kleine mittelständische Unternehmen zu fairen Konditionen Marktzugang haben zu den großen Plattformen und auch faire Bedingungen auf den Plattformen. Wichtig ist es, dass der Act, der jetzt auf dem Tisch liegt, treffsicher ist. Das heißt, dass er sich auf die größten Internetkonzerne konzentriert und auf sogenannte Core Platform Services, also Märkte mit echten Wettbewerbsproblemen. Und das ist für mich das Wichtigste: nicht alles regulieren, nicht alles reglementieren, sondern nur da hineingehen und das anpacken, was wirklich Probleme macht. Und ich glaube, die Version des Digital Markets Act, die jetzt auch im Parlament erarbeitet wurde, die kann genau das leisten. Deshalb danke ich allen Kolleginnen und Kollegen, allen voran Andreas Schwab, für seine großartige Arbeit.
Herr Präsident, verehrte Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich denke, der vorliegende Lagebericht zur Energieunion ist ausgesprochen hilfreich und enthält ja auch gute Nachrichten. Erstens: Wir haben unsere CO2-Emissionen seit 1990 um 31 % verringert, und das mit einem sehr effizienten Instrument, nämlich insbesondere dem Emissionszertifikatehandel. Das wird auch in dem Bericht noch einmal deutlich unterstrichen, dass wir hier auf das richtige Instrument, ein marktwirtschaftlich basiertes Instrument, gesetzt haben; das sollten wir auch weiterentwickeln. Zweitens ist positiv, dass es im gesamten europäischen Energiemix so viel erneuerbare Energien gibt wie nie zuvor – auch das ist eine gute Nachricht. Und damit bin ich bei meinem dritten Punkt: Wir dürfen uns allerdings auch nichts vormachen. Unsere Importabhängigkeit von Energie ist nach wie vor ausgesprochen hoch, so hoch wie seit über 30 Jahren nicht mehr, nämlich 60,6 %. Das heißt, wenn wir die Ziele des Green Deals erreichen wollen, dann ist es auch wichtig, diese hohe Abhängigkeit in den Griff zu bekommen. Wir müssen natürlich massiv die erneuerbaren Energien ausbauen, aber ich denke, es ist genauso wichtig, hier übergangsweise auf Brückentechnologien wie Gas zu setzen. Auch Gasinfrastruktur spielt eine gewichtige Rolle. Und wir müssen natürlich auch den Wasserstoff nutzbar machen. Und auch da möchte ich dafür plädieren, nicht nur auf den grünen Wasserstoff zu schauen, sondern Wasserstoff jeglicher Farbe im Auge zu halten. Um den Markt aufzubauen, brauchen wir eben nicht nur grünen, sondern auch türkisen und anderen Wasserstoff. Das haben wir ja in unserer Wasserstoffstrategie als Europäisches Parlament so beschlossen.
Frau Präsidentin, verehrte Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Zunächst möchte ich unserer Berichterstatterin ganz herzlich zu ihrem exzellenten Bericht gratulieren. Es steht so viel drinnen, liebe Dolors Montserrat, man könnte auf vieles eingehen. Ich finde es klasse, dass der Bericht aus der Patientensicht heraus geschrieben ist, dass Patientenorganisationen zu Wort kommen, dass das Thema European Health Data Space ein Thema ist – also vieles, was man ansprechen könnte. Ich möchte mich auf eine gute und eine schlechte Nachricht konzentrieren. Ich beginne mit der schlechten Nachricht. Viele Kolleginnen und Kollegen haben es angesprochen: Wir sind abhängig von der weltweiten Produktion von Arzneimitteln in anderen Regionen der Welt. Aber die gute Nachricht ist, dass ich glaube, mit einer erfolgreichen und guten Pharmastrategie können wir etwas dagegen tun. Wir können uns strategisch ganz anders aufstellen. Ich denke, unser Motto muss dabei lauten: diversifizieren, unterstützen, schützen. Wir müssen die Lieferketten diversifizieren. Zum einen sollten wir darauf achten, kritische Medikamente nicht nur von einem oder wenigen Produzenten zu beziehen, sondern wir müssen eben in Europa mehr selbst produzieren bzw. bevorraten. Zweitens: Wir müssen kleine und mittlere Unternehmen an die Hand nehmen. Sie sind unsere Innovationsmotoren, und sie brauchen Beratung. Sie brauchen wenig Bürokratie, sondern Unterstützung, gerade auch wenn es um klinische Studienfinanzierung geht. Last, but not least: Patente für Arzneimittel sind wesentlich. Sie setzen die Anreize für Unternehmen, ambitioniert zu forschen und zu entwickeln. Ohne Patentschutz geht es nicht; das hat man gerade in den Biotech-Unternehmen und klassischen mittelständischen Unternehmen wie BioNTech gesehen.