21
Mai
2026
Ansehen
Beschluss des aserbaidschanischen Parlaments über die Aussetzung der Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament (Aussprache)
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Entscheidung des aserbaidschanischen Parlaments, die Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament, mit uns, auszusetzen, markiert einen neuen Tiefpunkt und zeigt, wie groß die politischen Spannungen geworden sind. Aber gerade wenn Meinungsverschiedenheiten wachsen, dürfen Gesprächskanäle nicht geschlossen werden. Deshalb ist es mir wichtig, eines deutlich zu sagen: Das Europäische Parlament ist und bleibt ein Ort der offenen Debatte. Auch und gerade dann, wenn Diskussionen unbequem werden. Wenn dieses Haus Menschenrechtsverletzungen oder Fragen der Rechtsstaatlichkeit anspricht, dann geschieht das nicht aus Konfrontationslust, sondern weil dies Teil unseres demokratischen Auftrags ist. Kritik an Einschränkung von Pressefreiheit und dem Umgang mit Oppositionellen oder an rechtsstaatlichen Defiziten ist legitim und notwendig. Partnerschaft zeigt sich nicht darin, dass man Kritik vermeidet – Partnerschaft zeigt sich darin, dass man Kritik aushält. Deshalb, meine Damen und Herren, bedauere ich die Entscheidung, die parlamentarische Zusammenarbeit mit unserem Europäischen Parlament und insbesondere mit EURO‑NEST auszusetzen. Gerade in schwieriger Zeit brauchen wir Gesprächsformate. Wer politische Dialogkanäle schließt, erschwert gegenseitiges Verständnis und überlässt Einfluss anderen Akteuren in einer geopolitisch sehr angespannten Region und Lage. Denn wir müssen auch die Zukunft in den Blick nehmen. Aserbaidschan ist ein wichtiger Akteur im Südkaukasus und ein bedeutender Partner der Europäischen Union – energiepolitisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Unser Ziel darf deshalb nicht Eskalation sein, sondern muss ein verantwortungsvoller Umgang mit Differenzen sein. Das bedeutet klare Haltung bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit, aber zugleich die Bereitschaft, Gesprächskanäle offenzuhalten. Da will ich auch eines deutlich machen: Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Menschen in Aserbaidschan. Austausch zwischen Wissenschaft, Kultur, Jugend und Zivilgesellschaft bleibt wichtig. Gerade diese Verbindungen schaffen langfristiges Vertrauen und eine gute Basis für eine künftige, hoffentlich wieder konstruktive Zusammenarbeit. Europa steht für Prinzipien, aber auch für Verantwortung. Beides gehört zusammen, und beides sollte unser Verhältnis zu Aserbaidschan leiten.