18
Jun
2026
Ansehen
Förderung des Rechts des Kindes auf Spiel anlässlich des Weltspieltags (Aussprache)
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! In den USA, Mexiko und Kanada läuft gerade die Fußballweltmeisterschaft, und jeder freut sich darüber, wenn seine eigene Nationalmannschaft weit kommt oder Außenseiter wie Haiti oder Kapverden dem einen oder anderen Favoriten ein Bein stellen. In Zeiten solcher sportlichen Großereignisse entdecken auch wir Erwachsenen das Kind in uns: Wir tragen die Trikots unserer Nationalmannschaft, basteln uns kleine Fahnen an die Fenster unserer Autos oder streiten mit den Arbeitskollegen über die richtige Aufstellung. Wir Erwachsenen schauen uns die Spiele an und sind danach ganz schnell wieder zurück bei den ernsten Themen des Lebens. Für unsere Kinder hingegen gibt es diesen Ernst in der Regel hoffentlich noch nicht; hier gehört das Spielen zum elementaren Ablauf des Tages. Dabei ist es für Kinder wichtig, dass sie auch schon im jungen Alter Kontakt zu anderen Kindern bekommen. Sozialverhalten, Respekt, Kommunikation, gegenseitige Rücksicht – das lernt sich spielerisch im eigenen Erfahren mit Gleichaltrigen viel leichter, als wenn wir Eltern diese Werte nur theoretisch erklären. Nicht ohne Grund ist das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung auch in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben – verbindlich sogar. Dort heißt es: Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben. Dieses vernünftige Bekenntnis muss aber jeden Tag auch mit vernünftigen Entscheidungen ermöglicht werden. Inflation, steigende Lebenshaltungskosten, steigende Energiekosten, steigende Sozialversicherungsbeiträge oder gar Arbeitslosigkeit – immer mehr Menschen mit geringem Einkommen in der Europäischen Union bedeuten auch eine Steigerung der Kinderarmut, und das ist eine Entwicklung, die wir alle über Parteigrenzen hinweg bekämpfen müssen. Nun muss es auch nicht immer die teuerste Puppe sein, es muss nicht immer der teuerste Fußballschuh sein, aber machen wir uns nichts vor: Jenseits von der Liebe, die wir alle für unsere Kinder empfinden, können finanzielle Probleme sich sehr wohl auf die Entwicklung unserer Kinder negativ auswirken. Als Verantwortliche in der Politik müssen wir daran arbeiten, dass es zumindest eine grundlegende Chancengerechtigkeit in der Bildung gibt, dass Talente gefördert werden und nicht das Einkommen der Eltern über die zukünftige Entwicklung unserer Kinder entscheidet. Und wenn unsere Kinder glücklich sind, miteinander spielen, vielleicht auch mal miteinander streiten, sich danach aber wieder vertragen, dann können wir als Erwachsene ja vielleicht auch noch irgendwas davon lernen. Ich kann sagen – das geht Ihnen wahrscheinlich genauso: Wenn meine Tochter mit einem Wurf erfolgreich den Basketballkorb trifft und mich dann anstrahlt, ist das wertvoller als jeder Weltmeistertitel.