6
Okt
2021
Ansehen
Fehlender Wille des Rates, mit dem ECBM voranzukommen (Aussprache)
Herr Präsident, heute leben Millionen unserer Bürgerinnen und Bürger in Europa in der Nähe der Grenzregionen. Sie überqueren die Grenze, um zur Arbeit zu gehen, ihre Kinder zu erziehen oder Zugang zu Gesundheitsdiensten zu erhalten. Die Unvereinbarkeit der nationalen gesetzlichen Systeme behindert jedoch ihre Mobilität und ihre Möglichkeiten. Die Pandemie hat diesen Trend bisweilen verschärft. Wir brauchen jedoch mehr Zusammenarbeit in Bereichen wie Gesundheit oder Umwelt. Es gibt nach wie vor zu viele Hindernisse, seien es Gesundheitsdienste, Arbeitsrecht, Steuervorschriften oder Unterschiede in der Verwaltungskultur. Wir alle wissen jedoch, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Beseitigung von Hindernissen und der weiteren sozialen und territorialen Entwicklung der Grenzregionen gibt, was ein wesentliches Element der europäischen Kohäsionspolitik ist. Diese Mechanismen zur Beseitigung dieser Hindernisse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit können eine europäische Lösung für ein europäisches Problem bieten, und ich kann sagen, dass dieses Parlament dabei war. Dasselbe können wir vom Rat nicht sagen. Der Rat schwieg, und sein Juristischer Dienst brachte zumindest fragwürdige Argumente vor. Wie so oft – und ich habe Erfahrung als ehemaliges Mitglied dieses Organs – hat der Juristische Dienst des Rates neue politische Hindernisse geschaffen, anstatt rechtliche Hindernisse zu beseitigen. Diese Geschichte ist bekannt und wiederholt sich heute. Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Bürgerinnen und Bürger verdienen mehr. Der diskutierte europäische grenzübergreifende Mechanismus verfügt über eine solide Rechtsgrundlage in den Verträgen, fördert den territorialen Zusammenhalt und entspricht den Anforderungen der Mitgliedstaaten, wobei sie frei entscheiden können, ob und wann sie die Verordnung anwenden. Es handelt sich um eine spezifische Maßnahme, die sich unter uneingeschränkter Achtung von Artikel 175 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union positiv auf die wirtschaftliche und soziale Lage einer Region und eines Gebiets auswirken wird. Die Kohäsionsvorschriften sind einheitlich, beinhalten jedoch in keiner Weise einen einheitlichen Ansatz für Entwicklungsprojekte. Meine Frage richtet sich daher an den Rat: Wann werden Sie sich der Dringlichkeit bewusst werden und den Dialog mit uns wieder aufnehmen? Ich bitte den amtierenden Ratspräsidenten: Was sind Ihre Vorschläge und Alternativen? Wir sind offen für den Dialog, Sie können nicht einfach alles blockieren, denn wir brauchen eine klare legislative Lösung und vor allem, weil unsere Bürgerinnen und Bürger Antworten und vor allem offenere Grenzen brauchen, um ihr tägliches Leben besser leben und sich noch europäischer fühlen zu können. Verschwenden wir also keine Zeit mehr und nehmen wir den legislativen Dialog wieder auf.