4
Mai
2022
Ansehen
Einsatz der Pegasus-Software durch EU-Mitgliedstaaten gegen Personen einschließlich MdEP und Missachtung der Grundrechte (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Herr Präsident, Herr Kommissar! Pegasus ist im Herzen der Europäischen Union angekommen. In den letzten Wochen und Monaten wurden immer mehr Enthüllungen über den Einsatz der Spionagesoftware des israelischen Privatunternehmens in mehreren Mitgliedstaaten bekannt. Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses kommt im Europäischen Parlament eher selten vor, und das unterstreicht die enorme Bedeutung der Bekämpfung illegaler Abhöraktionen von Bürgerinnen und Bürgern. Es geht um die Verteidigung der fundamentalen Rechte der Europäischen Union, ihrer Werte von Freiheitsrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Wir haben das Vertrauen in die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger wiederherzustellen. Die Aufgabe des Pegasus-Untersuchungsausschusses ist es, den Kauf und Einsatz von Spionagesoftware durch nationale Regierungen zu untersuchen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Telefone und Geräte von Politikerinnen und Politikern, Richterinnen und Richtern, Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, Journalistinnen und Journalisten, von Oppositionellen, Menschenrechtsaktivistinnen und Menschenrechtsaktivisten und von Diplomaten sollen gehackt worden sein, ja, sind bereits gehackt worden. Enorme Datenmengen wurden gestohlen, die weit in den privaten Bereich der betroffenen Zielpersonen hineinreichen. Die Identität der Personen, die rechtswidrig Zugang zu diesen Daten haben, kennen wir in den meisten Fällen nicht. Die Gefahren für die direkte Beeinflussung demokratischer Prozesse sind evident. Vor Kurzem fanden in Ungarn Parlamentswahlen statt, und es gibt den Vorwurf, dass diese Spionagesoftware dabei eingesetzt wurde. Es ist daher zu klären, inwieweit der Einsatz von Pegasus Wahlergebnisse in unseren Mitgliedstaaten beeinflusst hat. Auch der Angriff auf die Freiheit der Medien durch gezieltes Abhören von kritischen Journalistinnen und Journalisten muss untersucht werden, gerade weil die Studien zum gestrigen Tag der Pressefreiheit erschreckende Verschlechterungen in Mitgliedstaaten ans Licht brachten. Der Ausschuss darf sich aber nicht nur auf die Mitgliedstaaten konzentrieren, in denen auch nationale Untersuchungen laufen, sondern hat auch die europäischen Institutionen einzubeziehen. Und wie die letzten Wochen gezeigt haben, können wir alle zur Zielscheibe von Spionage-Attacken werden, nachdem nicht nur Mitglieder dieses Hauses, des Europäischen Parlaments, sondern auch ein Kommissar sowie EU-Beamte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Spionageprogrammen überwacht wurden. Unserem Untersuchungsausschuss, der sich vor zwei Wochen konstituiert hat, steht somit ein intensives Arbeitsprogramm in den nächsten zwölf Monaten bevor. Mit Hearings, Studien und missions werden wir alles daransetzen, Vorwürfe lückenlos aufzuklären, allen Anhaltspunkten und Hinweisen sorgfältig nachzugehen. Und damit wollen und werden wir auch Spekulationen beenden. Diese Diskussion ist ein Startpunkt. Es steht viel auf dem Spiel. Wir brauchen eine zukunftsfähige und klare Strategie für die Bekämpfung des illegalen Einsatzes von Spionagesoftware, um die Betroffenen und die Grundwerte Europas zu schützen und Vertrauen zu gewinnen.