15
Dez
2021
Ansehen
Vorbereitung der Tagung des Europäischen Rates am 16./17. Dezember 2021 - Reaktion der EU auf die erneute weltweite Ausbreitung von COVID-19 und neu auftretende Virusvarianten (Aussprache)
Herr Präsident, werte Kollegen! Wir sprechen heute über die Antwort der EU auf das Wiederaufflammen der COVID-19-Pandemie. Wie das Europäische Parlament auf die grassierende vierte Welle und die neuen Varianten des Virus antwortet, erleben wir, verehrte Kollegen, gerade am eigenen Leib. Rekordinzidenzen und teilweise Notstand auf den Intensivstationen schrecken hier offenbar niemanden. Wie üblich ist das Parlament mit tausenden Abgeordneten und Mitarbeitern auch diesen Monat für vier Tage von Brüssel nach Straßburg gezogen. Dieses zutiefst fragwürdige Ritual ist in diesen schweren Zeiten nicht mehr allein eine empörende Verschwendung von Steuergeld, sondern in diesen Zeiten ist es überdies ein Angriff auf die Volksgesundheit. Während überall in Europa die Maßnahmen wieder verschärft und Grundrechte von Menschen erneut eingeschränkt werden, tourt das EU-Parlament fröhlich durch die Lande und veranstaltet somit sein ganz eigenes Superspreader-Event. Das ist der blanke Hohn. Noch viel mehr verhöhnt müssen sich die Bürger allerdings vorkommen, wenn Kommissionspräsidentin von der Leyen nun eine EU-weite Impfpflicht fordert. Hat nicht vor wenigen Monaten erst das Versagen der Kommission bei der Impfstoffbeschaffung den Beweis dafür geliefert, dass eine Delegation von Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren des Virus auf der Ebene der EU alles andere als ein Erfolgsmodell ist? Ist dieses Versagen bereits vergessen? Soll jetzt durch die nächste grundfalsche Übertragung der Kompetenzen an die Kommission der nächste Beweis dafür geliefert werden? Vor allem aber: Eine allgemeine Impfpflicht ist ganz sicherlich nicht die Lösung – nicht national und schon gar nicht europaweit. Die Einführung einer Impfpflicht gegen dieses Virus ist medizinisch nicht zielführend, rechtlich ein unzulässiger Eingriff in die Grundrechte und ethisch schlicht indiskutabel. Die Politik muss Vertrauen schaffen, nicht zerstören. Drohungen, Ausgrenzung und Zwang, wie wir es alle derzeit erleben, sind gänzlich kontraproduktiv. Wer eine Impfpflicht fordert, hilft nicht bei der Pandemiebekämpfung, sondern spaltet unsere Gesellschaft weiter und tritt die Freiheitsrechte der Bürger mit Füßen. Ich sage es deutlich: Wer sich impfen lassen möchte, muss jederzeit und überall die Möglichkeit dazu haben. Wer sich dagegen entscheidet, hat das unveräußerliche Recht dazu. Deshalb sagen wir: Ja zur Eigenverantwortung, ja zur Freiheit!