6
Mai
2025
Ansehen
Einheitliche Reaktion der EU auf die ungerechtfertigten US-Handelsmaßnahmen und globale Handelsmöglichkeiten für die EU (Aussprache)
Herr Präsident! Donald Trump hat es geschafft, in den ersten hundert Tagen seiner Präsidentschaft die internationalen Handelsbeziehungen komplett zu chaotisieren. Die Folgen für Wirtschaft und die Bevölkerung sind bereits absehbar. Die Wirtschaftsleistung wird zurückgehen, und gleichzeitig werden sich die Preise verteuern. Die Zeche dafür werden zuallererst wieder die arbeitende Bevölkerung zahlen und diejenigen, die sowieso wenig Geld in der Tasche haben. Diese Politik ist kein Zufall. Der Rechtspopulist Donald Trump versucht gezielt, die Interessen seiner Wirtschaftskumpels, nämlich der US‑Rüstungsindustrie, der US‑Energieriesen und der US‑Big‑Tech‑Unternehmen durchzusetzen. Aber die Europäische Kommission scheint das noch gar nicht wirklich begriffen zu haben. Herr Kommissar, wir befinden uns in einem globalen Handelskrieg, und dabei wird Handelspolitik als eine Waffe eingesetzt, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen und international Einflusssphären abzustecken. Dem muss europäische Politik mit einer klaren Strategie begegnen, die Wirtschaft und Jobs hier in der Europäischen Union schützt, und das geht nur mit massiven Investitionen in unsere Industrie. Das geht nur mit strategischer Unabhängigkeit der Europäischen Union. Heute wissen auch Sie, Herr Kommissar, dass die anfängliche Kopf‑in‑den‑Sand‑Strategie der Kommission à la „Es wird schon nicht so schlimm werden” politische Realitätsverweigerung war. Jetzt wollen Sie verhandeln, einen Deal auch im Sinne von Donald Trump abschließen, und wenn das nicht klappen sollte, dann soll es angeblich harte Gegenmaßnahmen geben. Von Angeboten Ihrerseits höre ich viel, die gibt es reichlich. Jetzt soll sogar noch mehr US‑Fracking-Gas gekauft werden – anstatt die europäische Energieunabhängigkeit voranzutreiben und so viele Jobs zu schaffen, wird eine neue Abhängigkeit von fossilen Energieträgern geschaffen. Das ist ökonomisch, sozial und ökologisch grundfalsch. Aber von dem Druck auf die US‑Regierung ist noch nichts zu sehen. Wo bleibt denn die Einführung des Instruments gegen Zwangsmaßnahmen? Wo bleibt denn die harte Regulierung der großen Big‑Tech‑Unternehmen? Wo bleibt die Einführung einer europäischen Digitalsteuer? Da machen Sie die Augen zu, da legen Sie die Hände hinter dem Rücken zusammen. Wollen Sie denn auf diese Art und Weise den reichsten Unternehmen und Menschen wie Elon Musk noch mehr Geld und vor allem auch unsere privaten Daten in den Rachen werfen? Es ist jetzt an der Zeit, mit Partnern wie Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea, aber auch mit China an einer Handelsordnung zu wirken, die regelbasiert ist, auf fairem Handel statt auf entfesseltem Freihandel basiert. Und alles, was der EU‑Kommission da einzufallen scheint, sind Rohstoffabkommen wie das mit Ruanda, das maßgeblich zu einer Verschärfung des Krieges im Kongo beiträgt, oder digitale Kooperationsabkommen wie das mit Singapur, das unsere Datensicherheit unterläuft, oder aber klassische Freihandelsabkommen wie mit Mercosur, denen die Europäer schon seit TTIP die Rote Karte gezeigt haben, weil sie schlecht für soziale Standards, Umwelt und Landwirtschaft sind. Ihre Antwort auf Trump dient einzig und allein den US‑Oligarchen und den europäischen Oligarchen. Wir brauchen eine Antwort, die der Mehrheit der Bevölkerung und der Demokratie dient.