13
Dez
2021
Ansehen
Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt: Gewalt im Internet (Aussprache)
Herr Präsident, sie hieß Juliette, 15 Jahre für immer, da die Last des Cybermobbings sie dazu veranlasste, ihre Tage am 1. Mai 2021 zu beenden. Maëlle, 14 Jahre alt, beging im Januar 2020 Selbstmord, nachdem sie ein intimes Video in den sozialen Medien verbreitet hatte. Für Maëlle, Juliette und alle Opfer ist eine umfassende europäische Strategie zur Kriminalisierung von entscheidender Bedeutung, da die verschiedenen Formen von Gewalt oft untrennbar mit Cybergewalt verbunden sind. Sie können ihr vorausgehen, sie begleiten oder ihr folgen. Cybergewalt hat diese Besonderheit: Sie folgt dem Opfer überall hin. Sie hört nicht auf, wenn Sie nach Hause kommen, es gibt keinen Ort, an dem wir sicher sind. Es ist eine nekrotisierende Gangrän, ein perverses Monster, das hinter seinem Bildschirm nur darauf wartet, Sie zu vergewaltigen. Und was ist dann zu tun? Ein soziales Netzwerk zu verlassen bedeutet, sich zu isolieren. Und diese Flucht ist nicht gleichbedeutend mit einer Oase des Friedens, denn Ihr Stalker ist vielleicht Ihr Nachbar, Ihr Klassenkamerad, Ihr Kollege. Gemeinsam mit dem Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter haben wir einen parteiübergreifenden Text ausgearbeitet. Dieser Text soll eine Brücke, ein Regenschirm und ein starkes Dach sein, unter dem die Europäische Union Rechtsschutz und Unterstützung für die Opfer bieten muss. Der Standpunkt des Parlaments ist eindeutig. Jetzt liegt es an Ihnen – der Kommission – zu handeln, denn wenn wir in diesem Punkt nicht ehrgeizig sind, wenn wir wegschauen, werden wir Komplizen dieser zerbrochenen Leben sein. Und während das Schweigen und seine Folgen nach und nach Opferfrauen, Opfermädchen und Opfer von LGBTQI+ verzehren, lasst uns ihre Stimmen und Schultern sein und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen.